Die Zinsen sind zurück auf der Agenda vieler Sparer. Nachdem die EZB im Juni und im September 2026 ihre Leitzinsen angehoben hat, fragen sich viele Anleger, was ein Festgeld über fünf Jahre tatsächlich bringt. Ein Festgeldrechner, auch Festgeldzinsrechner genannt, liefert darauf eine schnelle Antwort. Doch die Zahl am Ende ist nur die halbe Wahrheit, denn Zinseszins, Steuern und Inflation entscheiden darüber, was Ihnen wirklich bleibt. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen die Rechenlogik, vergleichen Szenarien für 10.000 und 25.000 Euro und erklären, worauf Sie bei der Laufzeit achten sollten.
Was ein Festgeldrechner berechnet
Ein Festgeldrechner ermittelt aus wenigen Angaben das Endkapital und den Zinsertrag Ihrer Anlage. Sie legen einen Betrag für eine feste Laufzeit zu einem festen Zinssatz an und der Rechner zeigt Ihnen die Entwicklung Jahr für Jahr. Diese Angaben benötigt ein Festgeldzinsrechner:
- Anlagebetrag: Der Einmalbetrag, den Sie für die gesamte Laufzeit festlegen. Viele Anbieter setzen Mindestbeträge.
- Zinssatz: Der Zins pro Jahr (p. a.), der für die Laufzeit festgeschrieben ist.
- Laufzeit: In unserem Beispiel fünf Jahre.
- Zinsgutschrift: Werden die Zinsen jährlich wieder angelegt oder auf ein Referenzkonto ausgezahlt?
- Steuern: Abgeltungsteuer und Freistellungsauftrag verändern das Ergebnis spürbar.
Werden die Zinsen jedes Jahr wieder angelegt, gilt diese Formel: Endkapital = Startkapital × (1 + Zinssatz) hoch Jahre. Der Zinseszinseffekt sorgt dafür, dass bereits gutgeschriebene Zinsen selbst wieder Zinsen erwirtschaften.
Beispiel: Sie legen 15.000 Euro für 5 Jahre zu 3,2 Prozent an. Die Rechnung lautet 15.000 × 1,032 hoch 5 und ergibt 17.558,59 Euro. Der Zinsertrag beträgt vor Steuern 2.558,59 Euro. Der Zinssatz dient hier ausschließlich der Veranschaulichung.
Tipp: Prüfen Sie vor Vertragsabschluss, ob die Zinsen dem Festgeld gutgeschrieben oder auf Ihr Referenzkonto überwiesen werden. Nur im ersten Fall arbeiten die Zinsen innerhalb des Festgelds weiter. Mehr Hintergründe finden Sie in unserem Ratgeber Zinseszins erklärt.
So nutzen Sie den Festgeldrechner in vier Schritten
- Anlagebetrag festlegen: Planen Sie nur Geld ein, das Sie während der Laufzeit nicht benötigen.
- Zinssatz und Laufzeit eintragen: Nutzen Sie die Werte eines konkreten Angebots oder realistische Annahmen.
- Zinsgutschrift wählen: Entscheiden Sie, ob die Zinsen wieder angelegt oder ausgezahlt werden.
- Steuern einbeziehen: Berücksichtigen Sie Ihren Freibetrag, damit das Ergebnis zu Ihrer Situation passt.
Rechnen Sie mehrere Varianten durch, um ein Gefühl für die Spannbreite zu bekommen. Das Ergebnis ist immer nur so verlässlich wie die eingegebenen Annahmen.
Festgeld über 5 Jahre: Die Entwicklung Jahr für Jahr
Die folgende Tabelle zeigt, wie sich 10.000 Euro bei einem angenommenen Zinssatz von 3,0 Prozent p. a. entwickeln. Verglichen wird die Wiederanlage der Zinsen mit einer jährlichen Auszahlung der Zinsen auf ein Referenzkonto. Alle Werte verstehen sich vor Steuern.
Nach fünf Jahren liegt das Endkapital mit Zinseszins um 92,74 Euro höher als ohne. Der Unterschied wirkt zunächst klein, wächst aber mit jedem weiteren Jahr und mit jedem höheren Anlagebetrag. Eigene Werte können Sie mit dem Zinseszinsrechner von SJB durchspielen.
Szenarien: Was Zinssatz und Anlagebetrag ausmachen
Wie stark das Ergebnis vom Zinssatz abhängt, zeigt der Vergleich mehrerer Rechenbeispiele. Die Spalten nach Steuern gehen davon aus, dass jedes Jahr der volle Steuersatz von 26,375 Prozent auf die Zinsen anfällt und der Rest weiterverzinst wird. Ein Freibetrag ist hier bewusst nicht berücksichtigt.
Schon ein halber Prozentpunkt mehr Zins macht bei 10.000 Euro nach fünf Jahren rund 280 Euro Unterschied. Bei 25.000 Euro vervielfacht sich dieser Effekt entsprechend. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Konditionen im Festgeld-Vergleich.
Hinweis: Die verwendeten Zinssätze sind Annahmen für Rechenbeispiele und keine Zinszusagen. Konditionen können sich jederzeit ändern. Aktuelle Möglichkeiten finden Sie unter Zinsen und Sparen oder im persönlichen Beratungsgespräch.
Steuern: Was nach 5 Jahren wirklich bleibt
Zinsen aus Festgeld sind Kapitalerträge und unterliegen in Deutschland der Abgeltungsteuer. Die Bank führt sie automatisch an das Finanzamt ab. Stand 2026 gelten diese Eckdaten:
Mit einem Freistellungsauftrag bleiben Zinsen bis zum Sparerpauschbetrag steuerfrei. Dieser Betrag gilt für alle Kapitalerträge zusammen und nicht nur für das Festgeld.
Beispiel: Bei 10.000 Euro und 3,0 Prozent fallen im ersten Jahr 300 Euro Zinsen an. Ohne Freibetrag betragen die Steuern rund 79 Euro und es bleiben 220,88 Euro. Das entspricht einem Nettozins von etwa 2,21 Prozent. Mit ausreichendem Freibetrag wären die vollen 300 Euro steuerfrei.
Hinweis: Die jährliche Versteuerung in den Beispielen setzt eine jährliche Zinsgutschrift voraus. Zahlt ein Festgeld die Zinsen erst am Laufzeitende aus, fließen sie steuerlich komplett im Jahr der Auszahlung zu (Zuflussprinzip nach § 11 EStG). Der Sparerpauschbetrag lässt sich dann nur in diesem einen Jahr nutzen. Fragen Sie vorab nach dem Auszahlungsmodell Ihres Produkts.
Bei 3,0 Prozent entsprechen 1.000 Euro Zinsen rechnerisch einer Anlagesumme von etwa 33.300 Euro. Voraussetzung ist, dass der Freibetrag nicht anderweitig verbraucht wird. Details zur Besteuerung erläutert unser Ratgeber Festgeld Steuer: Zinsen richtig versteuern. Bei individuellen Fragen sollten Sie einen Steuerberater hinzuziehen.
Inflation: Warum der reale Ertrag zählt
Ein Festgeldrechner zeigt nominale Werte. Wie viel Kaufkraft am Ende bleibt, hängt von der Inflation ab. Die Inflation im Euroraum lag zuletzt wieder deutlich über dem EZB‑Zielwert von 2,0 Prozent. Nehmen wir im Beispiel eine Teuerung von 2,5 Prozent an und stellen den Nettozins von 2,21 Prozent gegenüber, dann ergibt sich ohne Freibetrag ein leichter Kaufkraftverlust von rund 0,3 Prozent pro Jahr. Mit genutztem Sparerpauschbetrag fällt das Ergebnis besser aus.
Festgeld bietet vor allem Planbarkeit und nominalen Kapitalerhalt. Es ist kein klassischer Inflationsschutz. Wer einen Teil seines Vermögens langfristig investieren möchte, findet im Ratgeber zur Inflationsanpassung mit ETFs und Fonds Denkanstöße. Auch der Vergleich Festgeld oder Geldmarkt ETF kann helfen.
Laufzeit und Zinsumfeld im Herbst 2026
Die EZB hat ihren Einlagensatz am 10. September 2026 auf 2,50 Prozent angehoben, nachdem sie ihn im Juni 2026 bereits auf 2,25 Prozent erhöht hatte. Die nächste Sitzung findet am 29. Oktober 2026 statt. Wie sich die Zinsen danach entwickeln, ist offen. Mehr zum Zusammenhang erfahren Sie im Beitrag EZB Zinspolitik und Festgeld.
Für die Laufzeit bedeutet das: Wer fünf Jahre festschreibt, profitiert nicht von späteren Zinserhöhungen. Fallen die Zinsen, ist die lange Bindung dagegen ein Vorteil. Ein möglicher Mittelweg ist die Festgeldtreppe, bei der Sie Ihr Geld auf mehrere Laufzeiten verteilen. Weitere Überlegungen finden Sie unter Festgeld Strategie bei steigenden Zinsen und optimale Festgeld Laufzeit.
Tipp: Brauchen Sie einen Teil des Geldes flexibel, kann der Blick auf Tagesgeld oder Festgeld sinnvoll sein. Festgeld lässt sich in der Regel nicht vorzeitig kündigen.
Diese Checkliste hilft vor dem Abschluss:
- Zinssatz und Art der Zinsgutschrift prüfen
- Mindest- und Höchstanlage des Anbieters kennen
- Freistellungsauftrag rechtzeitig erteilen
- Einlagensicherung berücksichtigen
- Anschlussplanung für das Laufzeitende festlegen
Einlagensicherung: Wie sicher ist Festgeld?
Innerhalb der EU sind Einlagen gesetzlich bis 100.000 Euro je Kunde und Bank abgesichert. Größere Summen lassen sich auf mehrere Banken verteilen. Wie das System funktioniert, lesen Sie im Ratgeber Einlagensicherung in Deutschland. Was im Ernstfall passiert, erklärt der Beitrag Bank insolvent: Was gilt für Festgeld.
SJB Invest ist seit 1989 als unabhängige Vermögensverwaltung am Markt und handelt als gebundener Vermittler unter dem Haftungsdach der BfV Bank für Vermögen AG, die der BaFin untersteht. Festgeldkonten gehören dort zum Angebot für sicherheitsorientierte Anleger.
Festgeld als Baustein der Gesamtstrategie
Festgeld sorgt für Sicherheit und Planbarkeit. Für langfristiges Wachstum kommen zusätzlich andere Bausteine infrage, etwa die aktiv gemanagten Strategien der SJB Vermögensverwaltung oder das selbst verwaltete Depot mit ETFs und Fonds. Welche Aufteilung zu Ihren Zielen und Ihrer Risikobereitschaft passt, klären Sie am besten in einem persönlichen Gespräch.
Fazit
Ein Festgeldrechner macht die Entwicklung Ihrer Anlage über mehrere Jahre transparent und hilft, Angebote realistisch einzuordnen. Entscheidend sind Zinssatz, Zinseszins und Steuern, aber auch die Inflation und die Frage, wie lange Sie auf Ihr Geld verzichten können. Nutzen Sie den Festgeldzinsrechner als Orientierung und prüfen Sie die Konditionen vor dem Abschluss genau. So treffen Sie eine fundierte Entscheidung, die zu Ihrer Lebenssituation passt.
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Häufige Fragen zum Festgeldrechner
Wie funktioniert ein Festgeldrechner?
Er berechnet aus Anlagebetrag, Zinssatz und Laufzeit das Endkapital. Bei Wiederanlage der Zinsen berücksichtigt er den Zinseszins. Gute Rechner können zusätzlich Steuern einbeziehen.
Wie viel Zinsen bringen 10.000 Euro über 5 Jahre?
Im Rechenbeispiel mit 3,0 Prozent und Wiederanlage der Zinsen sind es 1.592,74 Euro vor Steuern. Nach Abgeltungsteuer ohne Freibetrag bleiben 1.154,25 Euro. Der Zinssatz ist eine Annahme und keine Zusage.
Wie werden Zinsen aus Festgeld besteuert?
Es fällt Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag an, zusammen 26,375 Prozent. Bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro bei Einzelveranlagung und 2.000 Euro bei Zusammenveranlagung bleiben Zinsen mit Freistellungsauftrag steuerfrei.
Gibt es bei Festgeld einen Zinseszinseffekt?
Das hängt vom Produkt ab. Werden die Zinsen dem Festgeld gutgeschrieben und weiterverzinst, entsteht Zinseszins. Bei Auszahlung auf ein Referenzkonto arbeiten die Zinsen nicht innerhalb des Festgelds weiter.
Wie sicher ist mein Festgeld?
Einlagen sind gesetzlich bis 100.000 Euro je Kunde und Bank abgesichert. Größere Beträge lassen sich auf mehrere Banken verteilen.

