Wie viel Vermögen brauche ich eigentlich, um in Rente gehen zu können? Diese Frage stellen sich heute mehr Menschen als je zuvor, nicht nur kurz vor dem Ruhestand, sondern bereits mit Anfang 30 oder 40. Die gesetzliche Rente allein reicht für viele nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Private Vorsorge ist längst keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit.
Genau hier setzt die sogenannte 4 %-Regel an. Sie liefert eine einfache, aber erstaunlich robuste Antwort auf die Frage: Ab welchem Vermögen bin ich finanziell für die Rente gerüstet? In diesem Ratgeber erklären wir, wie die Regel funktioniert, was sie wirklich aussagt und worauf Sie bei der eigenen Planung unbedingt achten sollten.
Was ist die 4 %-Regel?
Die 4 %-Regel stammt aus einer wissenschaftlichen Studie des amerikanischen Finanzberaters William Bengen aus dem Jahr 1994, verfeinert durch die sogenannte Trinity-Studie von 1998. Das Ergebnis dieser Untersuchungen: Ein ausgewogenes Portfolio aus Aktien und Anleihen übersteht einen Zeitraum von 30 Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit, ohne dass das Geld vorzeitig ausgeht, auch wenn in historisch schlechten Marktphasen das Kapital dabei teilweise stark angegriffen wurde. „Erfolg“ bedeutet in der Studie also nicht zwingend Kapitalerhalt, sondern dass das Portfolio nicht vor Ablauf der 30 Jahre auf null fällt.
Die Kernaussage in Zahlen: Wer 1.000.000 Euro gespart hat, darf im ersten Rentenjahr 40.000 Euro (= 4 %) entnehmen. In den Folgejahren wird dieser Betrag an die Inflation angepasst; das Portfolio reicht dabei nach historischen Daten mit hoher Wahrscheinlichkeit aus.
Die Umkehrformel lautet: Gewünschtes Jahreseinkommen ÷ 0,04 = benötigtes Vermögen
Tipp: Rechnen Sie immer mit Ihrem zusätzlichen Bedarf, also dem Betrag, den die gesetzliche Rente nicht abdeckt. Wer monatlich 3.000 € benötigt und 1.500 € gesetzliche Rente erhält, muss privat nur 1.500 € pro Monat (= 18.000 € pro Jahr) ausgleichen; dafür wären rund 450.000 € Vermögen nötig.
Woher kommt die 4 %-Regel und wie verlässlich ist sie?
Die Trinity-Studie analysierte historische Marktdaten des US-amerikanischen Aktien- und Anleihemarkts über Jahrzehnte hinweg. Das Ergebnis: Bei einem Portfolio aus 60 % Aktien und 40 % Anleihen lag die Erfolgsrate, also die Wahrscheinlichkeit, dass das Kapital 30 Jahre lang reicht, bei über 95 %.
Wichtig: Diese Ergebnisse basieren auf US-Marktdaten. Für europäische Anleger mit anderen Marktbedingungen, einer anderen Inflation und einer anderen Währungssituation sind die Zahlen mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten. Neuere Studien, die auch internationale Märkte einschließen, empfehlen für mehr Sicherheit eher eine 3,0 bis 3,5 %-Entnahmerate, besonders bei längeren Ruhestandsphasen von 35 bis 40 Jahren.
Hinweis: Die 4 %-Regel ist ein statistisches Modell, kein garantiertes Versprechen. Individuelle Faktoren wie persönliche Ausgaben, Inflation, Steuern und die tatsächliche Portfoliorendite können abweichen. Eine persönliche Finanzplanung mit einem unabhängigen Berater ist unersetzlich.
Was die 4 %-Regel in der Praxis bedeutet
Für wen eignet sich die Regel?
Die 4 %-Regel ist besonders gut geeignet als erster Orientierungsrahmen für:
- Personen ab 40, die konkret mit dem Vermögensaufbau für die Rente beginnen möchten
- Frührentner und FIRE-Interessierte (Financial Independence, Retire Early), die vor dem offiziellen Rentenalter aufhören möchten, zu arbeiten
- Menschen, die wissen wollen, wie weit sie auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit bereits gekommen sind
Grenzen der Regel
Die Regel hat reale Grenzen, die Sie kennen sollten:
- Niedrigzinsumfeld & Inflation: In Phasen hoher Inflation (wie 2022/2023 erlebt) kann das Kapital schneller schmelzen als erwartet.
- Reihenfolgerisiko: Wenn die Märkte in den ersten Jahren Ihres Ruhestands einbrechen und Sie gleichzeitig Kapital entnehmen, kann das Portfolio dauerhaften Schaden nehmen, wenngleich sich die Kurse später erholen.
- Laufzeit: Die Studie war auf 30 Jahre ausgelegt. Wer mit 55 in Rente geht und 90 wird, braucht ein Modell für 35+ Jahre; hier empfehlen Experten eher 3 bis 3,5 % Entnahme.
- Steuerliche Effekte: Beim Verkauf von Fondsanteilen unterliegt in Deutschland nur der Gewinnanteil der Abgeltungssteuer (25 % + Soli), nicht der gesamte Entnahmebetrag. Bei Aktien-ETFs greift zudem die Teilfreistellung von 30 %, das heißt, 30 % des Gewinns bleiben vollständig steuerfrei. In der Praxis fällt die steuerliche Belastung damit oft deutlich geringer aus, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Beispiel: Frau Müller, 62 Jahre, plant mit 2.500 € monatlichem Zusatzbedarf neben der gesetzlichen Rente. Jahresbedarf: 30.000 €. Nach der 4%-Regel bräuchte sie 750.000 € Vermögen. Da sie möglicherweise bis 90 lebt (28 Rentenjahre), empfiehlt ihr Berater eine konservativere 3,5 %-Quote. Das Zielvermögen steigt damit auf 857.000 €.
Smarter als starr: Die dynamische Entnahmestrategie
Die klassische 4 %-Regel arbeitet mit einem fixen Entnahmebetrag, der jährlich nur um die Inflation erhöht wird. In der Praxis ist das oft zu unflexibel. Eine deutlich robustere Alternative ist die dynamische Entnahmestrategie, die Finanzwissenschaftler wie Jonathan Guyton und William Klinger bereits 2006 beschrieben haben.
Das Grundprinzip: Sie passen Ihre jährliche Entnahme an die tatsächliche Marktlage an.
- In guten Börsenjahren dürfen Sie Ihre Entnahme leicht erhöhen (zum Beispiel um bis zu 10 % gegenüber dem Vorjahr), um von der Performance zu profitieren.
- In schlechten Börsenjahren reduzieren Sie Ihre Entnahme vorübergehend um bis zu 10 %, um das Depot zu schonen.
Klingt nach Einschränkung? Das Gegenteil ist oft der Fall. Studien zeigen, dass Anleger mit einer dynamischen Strategie langfristig mehr entnehmen können als mit der starren Regel, weil das Portfolio in Abschwungphasen deutlich weniger Schaden nimmt. Das Reihenfolgerisiko (also der Schaden durch frühe Kursverluste) wird erheblich abgefedert.
Tipp: Für eine dynamische Entnahmestrategie empfiehlt sich ein Portfolio mit einem soliden Dividendenanteil. Dividendenausschüttungen fließen unabhängig vom Kursgeschehen und reduzieren den Bedarf, Anteile in fallenden Märkten verkaufen zu müssen. Mehr dazu: Dividendenfonds bei SJB
Wie bauen Sie das nötige Vermögen für die Rente auf?
Die gute Nachricht: Dank des Zinseszinseffekts brauchen Sie nicht das gesamte Zielvermögen auf einmal zu sparen. Wer früh anfängt, profitiert überproportional.
Der Sparplan als wichtigstes Werkzeug
Ein breit gestreuter ETF-Sparplan ist für die meisten Privatanleger die effizienteste Methode, über Jahrzehnte Vermögen aufzubauen. Globale Aktienindizes haben historisch Renditen zwischen 7 und 10 % pro Jahr erzielt (vor Inflation und Kosten).
Beispielrechnung (vereinfacht, ohne Garantie):
Tipp: Diese Zahlen sind illustrative Modellrechnungen. Tatsächliche Renditen schwanken, Kosten und Steuern sind nicht enthalten. Eine individuelle Planung ist entscheidend. Sprechen Sie gerne mit unserem Team bei SJB.
Welche Anlageformen helfen beim Vermögensaufbau?
Für den langfristigen Aufbau eines Rentenvermögens kommen verschiedene Bausteine in Frage:
- ETF-Sparplan: Günstig, breit gestreut, flexibel. Ideal für den Vermögensaufbau ab 25 Euro/Monat. Mehr dazu: Selber in ETFs & Fonds investieren
- Aktiv gemanagte Fonds: Können in volatilen Phasen durch gezieltes Management Mehrwert liefern. Mehr dazu im Ratgeber: Aktiv gemanagte Fonds erklärt
- Dividendenfonds: Sorgen im Rentenalter für regelmäßige Ausschüttungen, als Alternative zur Kapitalentnahme. Mehr dazu: Dividendenfonds
- Festgeld & Tagesgeld: Für den sicherheitsorientierten Teil des Portfolios, besonders ab ca. 5 Jahren vor Renteneintritt. Vergleich: Tagesgeld oder Festgeld?
- Professionelle Vermögensverwaltung: Ab einem bestimmten Vermögen sinnvoll. SJB bietet antizyklische Strategien mit nachgewiesener Erfahrung. Details: SJB Vermögensverwaltung
4%-Regel und die SJB-Strategien: Wie passt das zusammen?
SJB verfolgt seit Gründung 1989 einen antizyklischen Investmentansatz: In Phasen von Marktkorrekturen werden gezielt unterbewertete Märkte und Branchen aufgebaut. Diese Strategie hat das Ziel, langfristig attraktive Renditen zu erzielen und gleichzeitig das Depot gegenüber Verlusten zu stabilisieren.
Für Anleger, die ihr Rentenvermögen professionell verwalten lassen möchten, stehen drei Strategien zur Wahl:
- SJB Surplus: Wachstumsorientiert, für langfristigen Vermögensaufbau
- SJB Substanz: Dividenden- und Value-Titel, ideal für die Entnahmephase
- SJB Nachhaltig: ESG-konform, mehrfach mit dem PI Stars Award ausgezeichnet
Alle drei Strategien sind bei SJB bereits ab 1.000 Euro Einmalanlage oder einem monatlichen Sparplan ab 50 Euro zugänglich. Eine niedrige Hürde für einen professionellen Start.
Hinweis: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Investitionen in Fonds sind mit Risiken verbunden.
Checkliste: In 5 Schritten zur eigenen Renten-Zahl
- Monatlichen Bedarf im Ruhestand schätzen: Was kostet Ihr Leben mit 67? Denken Sie an Miete, Gesundheit, Reisen, Hobbys.
- Gesetzliche Rente abziehen: Ihre Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung zeigt Ihre voraussichtliche Rente.
- Lücke berechnen: Differenz × 12 = jährlicher Zusatzbedarf
- Zielvermögen ermitteln: Jährlicher Bedarf ÷ 0,04 (oder 0,035 bei längerer Laufzeit)
- Monatliche Sparrate planen: Rückwärts rechnen: Wie viel müssen Sie ab heute sparen?
Fazit
Die 4 %-Regel ist kein Allheilmittel, aber ein kraftvolles Denkmodell. Sie macht das abstrakte Ziel „Rentenvermögen aufbauen“ konkret, planbar und messbar. Wer heute weiß, wie viel Kapital er benötigt, kann die richtigen Weichen stellen, sei es über einen einfachen ETF-Sparplan, eine aktiv gemanagte Strategie oder eine professionelle Vermögensverwaltung.
Entscheidend ist: früh anfangen, konsequent besparen, breit streuen und die eigene Planung regelmäßig überprüfen. SJB begleitet Sie auf diesem Weg: mit über 37 Jahren Markterfahrung, mehr als 150 Millionen Euro verwaltetem Vermögen und einem Team, das Ihre Situation individuell bewertet.


