Was sind aktiv gemanagte Fonds – und wie funktionieren sie?
Bei einem aktiv gemanagten Fonds übernimmt ein professioneller Fondsmanager die Anlageentscheidungen. Er analysiert Märkte, Unternehmen und Konjunkturtrends, um gezielt Wertpapiere auszuwählen, mit dem Ziel, besser abzuschneiden als ein Vergleichsindex (die sogenannte Benchmark).
Das Gegenstück dazu ist der passive Indexfonds (ETF): Er bildet einen Index wie den DAX oder den MSCI World automatisch nach, ohne individuelle Auswahl. Was im Index enthalten ist, kauft der ETF, die guten wie die schwachen Werte.
Der wesentliche Unterschied liegt in drei Punkten:
Tipp: Bei SJB können Sie über das DIY-Depot sowohl in aktiv gemanagte Fonds als auch in ETFs investieren, mit bis zu 100 % Rabatt auf den Ausgabeaufschlag und ohne laufende Verwaltungsgebühr.
Das Kostenargument: Höhere Gebühren, weniger Rendite?
Das häufigste Argument gegen aktiv gemanagte Fonds sind die Kosten. Klassische aktiv gemanagte Fonds verlangen laufende Gebühren von rund 1,5 bis 2,5 % pro Jahr. Modernere, provisionsfreie Anteilsklassen – sogenannte Clean Share Classes – sind mittlerweile bereits ab 0,8 bis 1,2 % erhältlich und damit deutlich wettbewerbsfähiger als früher. Dem gegenüber stehen Standard-ETFs mit Kosten von meist unter 0,5 %, bei Themen-ETFs oder Nischenprodukten auch etwas darüber.
Beispiel: Zwei Anleger investieren je 10.000 Euro. Beide erzielen eine Bruttorendite von 5 % pro Jahr. Anleger A zahlt 0,3 % ETF-Kosten (Nettorendite: 4,7 %), Anleger B zahlt 1,8 % Fondskosten (Nettorendite: 3,2 %). Nach zehn Jahren hat Anleger A durch den Zinseszinseffekt rund 15.800 Euro, Anleger B rund 13.700 Euro, ein Unterschied von gut 2.100 Euro, der allein durch den Kostenvorteil entsteht, ohne dass ein Fondsmanager auch nur einen einzigen Euro Mehrwert geliefert hat.
Dieses Rechenbeispiel zeigt: Wenn ein aktiv gemanagter Fonds nicht in der Lage ist, seine höheren Kosten durch Mehrrendite zu kompensieren, verliert der Anleger langfristig. Genau das ist statistisch in vielen Kategorien und Zeiträumen belegt.
Hinweis: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Kosten sind nur ein Faktor unter vielen, sie sollten stets im Gesamtkontext beurteilt werden.
Die Wahrheit über Performance-Studien
Die vielzitierte SPIVA-Studie (S&P Indices Versus Active Funds) hat über viele Jahre nachgewiesen, dass die große Mehrzahl aktiver Fonds ihre Benchmark langfristig nicht übertrifft. Über zehn Jahre scheiterten daran in vielen Kategorien weit mehr als 80 % aller aktiv gemanagten Fonds, ein ernüchterndes Ergebnis.
Doch schaut man genauer hin, offenbart sich ein differenzierteres Bild. Laut der Scope-Studie „Aktiv versus Passiv“, die jährlich im Q1 erscheint und zu den meistbeachteten unabhängigen Auswertungen der Branche zählt, haben im Jahr 2025 rund 30 % aller untersuchten aktiv gemanagten Fonds ihre Benchmark geschlagen. In den Vorjahren lag diese Quote oft nur halb so hoch. Das klingt noch immer wenig, ist aber statistisch bemerkenswert und markiert eine klare Trendwende.
Besonders auffällig: Im deutschen Aktienmarkt hat sich die Outperformance-Quote laut derselben Scope-Studie im Jahresvergleich vervielfacht. Der Grund liegt in den fiskalpolitischen Impulsen von 2025: Staatliche Investitionen in Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung trieben vor allem den deutschen Mittelstand an. Während Large-Cap-Indizes wie der MSCI Germany an Schwergewichten wie SAP festhingen, das 2025 rund 13 % verlor, legten die kleineren und mittelgroßen Segmente des deutschen Marktes zweistellig bis weit über 30 % zu. Aktive Manager, die in diese Bereiche investiert waren, profitierten direkt; ein passiver Index-ETF konnte diese Umschichtung nicht vollziehen.
Tipp: Marktphasen mit starken strukturellen Verschiebungen – wie staatlichen Konjunkturprogrammen, Zinswenden oder Branchenrotationen, sind typischerweise jene Phasen, in denen aktives Management seinen größten Mehrwert zeigt.
Das Klumpenrisiko im MSCI World: Konzentration auf dem Vormarsch
Eine der stärksten Entwicklungen der letzten Jahre betrifft einen Index, dem Millionen Anleger blind vertrauen: den MSCI World. Wer heute in einen MSCI World-ETF investiert, hat mehr als 70 % seines Kapitals in US-amerikanischen Aktien angelegt. Das ist das sogenannte Klumpenrisiko: Eine scheinbar breite Streuung über tausende Unternehmen entpuppt sich bei näherer Betrachtung als einseitige Wette auf den US-Markt.
Noch kritischer ist dabei die Konzentration innerhalb des Index auf die Top-Werte: Was 2023/2024 unter dem Begriff „Magnificent 7" bekannt wurde, eine Handvoll dominanter US-Technologieunternehmen, wird 2026 bereits als überholt diskutiert. Die Gruppe hat sich verschoben, einzelne Werte sind gefallen oder durch neue KI-Profiteure ersetzt worden. Das eigentliche Problem bleibt aber unverändert: Eine extreme Konzentration auf wenige Mega-Caps bestimmt die Indexentwicklung. Fällt auch nur eines dieser Unternehmen signifikant, bewegt es den gesamten MSCI World mit. Das zeigte sich 2025 deutlich: Als der US-Markt infolge der Zollankündigungen unter Druck geriet, verlor der S&P 500 im Frühjahr 2025 zeitweise fast 20 %, MSCI World-Produkte fielen im Gleichschritt, weil eine echte regionale Streuung fehlte. Aktive Manager, die US-Technologiekonzerne bewusst untergewichtet hatten, kamen deutlich besser durch diese Phase.
Aktiv gemanagte Fonds oder eine professionelle Vermögensverwaltung können solchen Entwicklungen gezielt entgegenwirken, indem sie einzelne Sektoren oder Regionen bewusst untergewichten und breiter diversifizieren. Mehr dazu erfahren Sie auf der Seite zur SJB Vermögensverwaltung.
Wann lohnen sich aktiv gemanagte Fonds?
Aktiv gemanagte Fonds können ihren Mehrwert besonders in folgenden Situationen entfalten:
- Volatile und krisenbehaftete Märkte: In Phasen starker Kursschwankungen können Fondsmanager Positionen absichern, umschichten oder sich defensiv positionieren. Ein ETF bleibt dagegen immer voll investiert, auch wenn der Markt fällt.
- Spezial- und Nischenmärkte: In weniger effizienten Märkten, etwa in Schwellenländern, Small Caps oder spezialisierten Branchen, hat aktives Management mehr Spielraum, Chancen zu nutzen, die Indizes nicht abbilden.
- Antizyklische Strategien: Wer nicht dem Herdentrieb folgen will, sondern gezielt in abgewertete Märkte mit hohem Aufholpotenzial investiert, benötigt zwingend aktives Management. Kein Index wird bewusst aktuell unbeliebte Sektoren übergewichten.
- ESG und Nachhaltigkeit: Wer wirklich nachhaltig investieren möchte, kommt an aktiver Selektion kaum vorbei. ESG-ETFs schließen zwar bestimmte Unternehmen aus, aber ein aktiver ESG-Fonds kann gezielt nach strengsten Nachhaltigkeitskriterien auswählen und qualitativ prüfen, was hinter einem Unternehmen wirklich steckt.
Die neue Mitte: ActiveETFs verwischen die Grenzen
Eine Entwicklung, die 2026 kaum jemand ignorieren kann, verändert die bisherige Schwarz-Weiß-Debatte grundlegend: Active ETFs, also börsengehandelte Fonds, die aktives Management mit der ETF-Kostenstruktur kombinieren.
Der Markt wächst rasant: In Europa hat sich das verwaltete Vermögen in aktiven ETFs binnen zwei Jahren nahezu verdreifacht und erreichte Ende 2025 rund 78 Milliarden Euro. Allein 2025 wurden mehr als 139 neue Produkte aufgelegt. Erstmals wurden in diesem Jahr in Europa mehr aktive als passive ETFs neu emittiert. Große Asset Manager wie JPMorgan, PIMCO und Fidelity sind in diesem Segment bereits stark vertreten.
Das Prinzip: Der Fondsmanager darf die Zusammensetzung des Portfolios nach eigenem Ermessen anpassen, ist aber nicht an einen starren Index gebunden. Gleichzeitig profitieren Anleger von den typischen ETF-Vorteilen: börsentäglicher Handel, vergleichsweise niedrige Kosten und hohe Transparenz. Die Kostenlücke zwischen klassischen aktiven Fonds und ETFs schrumpft damit weiter.
Ob Active ETFs langfristig besser performen als ihre klassischen Pendants, lässt sich aufgrund der noch kurzen Track Records abschließend nicht beurteilen. Klar ist aber: Die strikte Trennung zwischen „aktiv" und „passiv" gehört zunehmend der Vergangenheit an. Wer heute investiert, hat mehr Möglichkeiten als je zuvor.
Das Zusammenspiel von aktiv und passiv: Kein Entweder-oder
Die Frage „aktiv oder passiv?" ist oft falsch gestellt. Viele erfolgreiche Anleger setzen auf eine Kombination beider Ansätze:
- ETFs für kosteneffiziente, breite Marktabdeckung in etablierten, hocheffizienten Märkten
- Aktiv gemanagte Fonds für Nischen, volatile Phasen, antizyklische Strategien und ESG-Investitionen
- Active ETFs als Brücke zwischen beiden Welten, mit wachsendem Angebot und sinkenden Kosten
- Professionelle Vermögensverwaltung für eine ganzheitliche, auf Ihre persönliche Situation zugeschnittene Gesamtstrategie
SJB bietet Ihnen Zugang zu beidem: Über das DIY-Depot investieren Sie eigenständig in über 10.000 Fonds und ETFs. Wer eine individuelle, aktiv gesteuerte Anlagestrategie bevorzugt, kann auf die drei bewährten SJB-Strategien zurückgreifen:
- SJB Surplus - risikoaffin, stark antizyklisch, auf Wachstum ausgerichtet
- SJB Substanz - Value- und Dividendenaktien, stabile Ertragsorientierung
- SJB Nachhaltig - ESG-konform, mehrfach mit den PI Stars ausgezeichnet (u. a. „Nachhaltigste Strategie", Stand 2023)
Alle drei Strategien spiegeln den konsequent antizyklischen Investmentansatz wider, den SJB seit ihrer Gründung 1989 verfolgt.
Hinweis: Die PI-Stars-Auszeichnungen beziehen sich auf eine vergangene Bewertungsperiode (2023) und sind kein Versprechen für zukünftige Wertentwicklungen. Die Verleihungen für 2026 werden im späteren Jahresverlauf finalisiert.
Kosten clever managen: Der Ausgabeaufschlag als Hebel
Einer der klassischen Kostentreiber bei aktiv gemanagten Fonds ist der Ausgabeaufschlag – eine einmalige Gebühr beim Kauf, die je nach Fonds bis zu 5 oder 6 % betragen kann. Bei einer Anlage von 10.000 Euro sind das bis zu 600 Euro, die sofort verloren gehen, bevor ein einziger Cent Rendite entsteht.
Die gute Nachricht: Wer Fonds über einen unabhängigen Fondsberater wie SJB kauft, kann diesen Aufschlag um bis zu 100 % reduzieren, also vollständig einsparen. Das verändert die Kosten-Nutzen-Rechnung für aktiv gemanagte Fonds erheblich, denn der häufig genannte Kostenvorteil von ETFs entfällt dann zumindest beim Einstieg.
Tipp: Vergleichen Sie die Gesamtkosten immer mit Blick auf den Ausgabeaufschlag, die laufenden Kosten (TER) und etwaige Performancegebühren, nicht nur auf einen einzelnen Kostenpunkt. Ein aktiver Fonds in einer modernen, provisionsfreien Clean Share Class kann preislich durchaus mit einem Nischen-ETF mithalten.
Zusammenfassend
Aktiv gemanagte Fonds sind nicht per se schlechter als ETFs, aber sie müssen ihre höheren Kosten durch echten Mehrwert rechtfertigen. In effizienten, stark von US-Technologiewerten dominierten Märkten ist das langfristig schwer. In Nischenmärkten, volatilen Phasen und antizyklischen Strategien hingegen können aktive Manager klar punkten, wie die Scope-Studie 2025 eindrucksvoll belegt. Dazu kommt mit den Active ETFs ein neues Produktsegment, das die Grenzen zwischen aktiv und passiv zunehmend auflöst. Wer klug investiert, entscheidet nicht zwischen „aktiv oder passiv", sondern kombiniert beide Ansätze je nach Marktlage, persönlicher Situation und Anlageziel. Genau das ist die Stärke einer unabhängigen Fondsberatung mit über 35 Jahren Markterfahrung.
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