Auszahlungsstrategien im Ruhestand: So machen Sie Ihr Geld länger haltbar

Wer im Ruhestand von seinem Vermögen leben möchte, steht vor einer entscheidenden Frage: Wie entnehme ich Kapital so, dass es möglichst lange reicht? Die richtige Auszahlungsstrategie entscheidet darüber, ob Ihr Erspartes zehn oder dreißig Jahre trägt. Dieser Ratgeber zeigt, welche Ansätze es gibt und worauf Sie bei der Planung achten sollten.
auszahlungsstrategien im ruhestand
Geschrieben von
Sebastian Zimmermann
Erstellt am
04.09.2026
In diesem Artikel:

Der Ruhestand ist kein Endpunkt, sondern ein neuer Anfang für Ihr Kapital

Jahrelang stand der Vermögensaufbau im Vordergrund: Sparplan einrichten, Fonds besparen, regelmäßig investieren. Doch mit dem Eintritt in den Ruhestand dreht sich die Richtung um. Aus dem Aufbaumodus wird der Entnahme- und Erhaltungsmodus. Und genau hier beginnen viele Menschen, Fehler zu machen, weil sie keine klare Strategie haben.

Wie viel darf ich monatlich entnehmen, ohne mein Kapital zu früh aufzubrauchen? Sollte ich Ausschüttungen nutzen oder gezielt Anteile verkaufen? Was passiert mit meinem Portfolio, wenn die Märkte genau dann einbrechen, wenn ich Geld benötige? Diese Fragen sind real und sie haben konkrete Antworten. Wer sich frühzeitig damit auseinandersetzt, schützt nicht nur sein Vermögen, sondern gewinnt auch die finanzielle Sicherheit, die einen entspannten Ruhestand erst möglich macht.

Warum eine Auszahlungsstrategie unverzichtbar ist

Ohne Plan entnehmen viele Rentnerinnen und Rentner entweder zu viel und riskieren, ihr Kapital vorzeitig aufzubrauchen, oder zu wenig und verzichten unnötig auf Lebensqualität. Hinzu kommt ein Risiko, das beim Vermögensaufbau kaum eine Rolle spielt, im Ruhestand aber entscheidend ist: das sogenannte Sequenzrisiko.

Das Sequenzrisiko beschreibt die Gefahr, dass starke Kursverluste in den ersten Jahren nach dem Renteneintritt das Portfolio dauerhaft schwächen. Wer in einer Abschwungphase regelmäßig Anteile verkauft, verkauft zu niedrigen Kursen und hat anschließend weniger Kapital, das von einer Erholung profitieren kann. Das ist der Unterschied zur Ansparphase: Dort mitteln Kursrückgänge die Einstiegspreise nach unten, was vorteilhaft ist. In der Entnahmephase hingegen können frühe Verluste langfristig nicht mehr vollständig kompensiert werden.

Eine durchdachte Auszahlungsstrategie adressiert genau dieses Problem.

Die vier wichtigsten Auszahlungsstrategien im Überblick

1. Die Prozentmethode: Feste Quote vom Portfoliowert

Bei der Prozentmethode entnehmen Sie jedes Jahr einen festen Prozentsatz Ihres aktuellen Portfoliowerts, häufig zwischen drei und fünf Prozent. Der bekannteste Referenzwert ist die sogenannte Vier-Prozent-Regel, die auf einer amerikanischen Langzeitstudie (der sogenannten Trinity-Studie) basiert.

Die Grundidee: Bei einem gut diversifizierten Portfolio aus Aktien und Anleihen konnte eine jährliche Entnahme von vier Prozent des Startkapitals in der Vergangenheit über einen Zeitraum von 30 Jahren aufrechterhalten werden, ohne dass das Portfolio vollständig aufgebraucht wurde.

Tipp: Die Vier-Prozent-Regel ist ein nützlicher Ausgangspunkt, aber kein Versprechen. Sie basiert auf historischen US-Marktdaten und berücksichtigt weder Steuern noch individuelle Kosten. Eine konservativere Entnahmequote von 3,0 bis 3,5 Prozent kann für längere Ruhestandsphasen sinnvoller sein. Mehr dazu erklärt unser Ratgeber zur 4-Prozent-Regel.

Entnahmequote Monatliche Entnahme bei 300.000 Euro Eignung
3,0 Prozent 750 Euro Konservativ, für lange Ruhestandsphasen
3,5 Prozent 875 Euro Ausgewogen, empfohlen ab 30 Jahren Ruhestand
4,0 Prozent 1.000 Euro Klassische Faustregel, 25 bis 30 Jahre
5,0 Prozent 1.250 Euro Höheres Risiko, kürzerer Zeithorizont

Hinweis: Diese Werte dienen der Veranschaulichung und stellen keine individuelle Anlageempfehlung dar.

2. Die Entnahme aus Ausschüttungen: Vom Ertrag leben

Eine besonders intuitive Methode ist es, ausschließlich Ausschüttungen zu entnehmen und das investierte Kapital unangetastet zu lassen. Wer in Dividendenfonds, ausschüttende ETFs oder Rentenfonds investiert ist, erhält regelmäßige Auszahlungen, ohne Anteile verkaufen zu müssen.

  • Der Vorteil dieser Methode liegt in der psychologischen Klarheit: Das Kapital bleibt erhalten, der Ertrag wird genutzt. Das Sequenzrisiko ist deutlich geringer, weil keine Anteile zu schlechten Kursen verkauft werden müssen.
  • Der Nachteil: Die Höhe der Ausschüttungen schwankt. In Krisenzeiten kürzen Unternehmen häufig ihre Dividenden, was die Planbarkeit erschwert. Außerdem setzt diese Methode ein ausreichend großes Kapital voraus, damit die Ausschüttungen den Lebensunterhalt tatsächlich decken können.

Tipp: Dividendenstarke Fonds und Anleihen-ETFs lassen sich gut kombinieren, um stabile und diversifizierte Ausschüttungsströme aufzubauen. SJB Invest bietet mit der Strategie SJB Substanz einen aktiv gemanagten Ansatz, der gezielt auf Value- und Dividendenaktien setzt.

3. Das Drei-Töpfe-Modell: Liquidität, Sicherheit und Wachstum

Das Drei-Töpfe-Modell ist eine der praktischsten Auszahlungsstrategien im Ruhestand, weil es unterschiedliche Zeithorizonte sauber trennt und das Sequenzrisiko strukturell begrenzt.

Die Grundidee: Das Vermögen wird auf drei Bereiche aufgeteilt, die unterschiedliche Funktionen erfüllen.

Topf Zeithorizont Zweck Typische Instrumente
Topf 1: Liquidität 0 bis 2 Jahre Laufende Ausgaben decken Tagesgeld, Geldmarkt-ETF
Topf 2: Sicherheit 2 bis 7 Jahre Stabiler Puffer, moderate Rendite Festgeld, Anleihen-ETF, Rentenfonds
Topf 3: Wachstum Ab 7 Jahre Langfristiger Kapitalerhalt und Wertzuwachs Aktien-ETF, Dividendenfonds, aktiv gemanagte Fonds

Der entscheidende Mechanismus: Wenn Topf 1 aufgebraucht ist, wird er aus Topf 2 aufgefüllt. Topf 3 bleibt so lange unangetastet, bis sich die Märkte erholt haben. Dadurch müssen Aktienanteile nicht zu ungünstigen Zeitpunkten verkauft werden.

Dieses Modell verbindet Sicherheit und Stabilität im kurzfristigen Bereich mit dem langfristigen Wachstumspotenzial eines gut diversifizierten Aktienportfolios. Informationen zu geeigneten Bausteinen für Topf 1 und Topf 2 finden Sie unter sjb.de/zinsen-sparen.

4. Der systematische Entnahmeplan: Automatisierung mit Struktur

Ein systematischer Entnahmeplan ist die technische Umsetzung einer festen Auszahlungsstrategie. Sie legen einmalig fest, welcher Betrag monatlich oder quartalsweise ausgezahlt wird, und das Portfolio wird automatisch entsprechend angepasst.

Viele Fondsanbieter ermöglichen diese Funktion direkt im Depot. Über die FFB (FIL Fondsbank), den Depotpartner von SJB Invest, lassen sich solche Entnahmepläne strukturiert einrichten.

  • Der Vorteil: Sie erhalten regelmäßige, planbare Auszahlungen, ähnlich einem Gehalt.
  • Der Nachteil: Wie bei der Prozentmethode besteht das Sequenzrisiko, wenn die Entnahmerate zu hoch und der Anlagehorizont zu lang sind. Daher empfiehlt sich eine Kombination mit dem Drei-Töpfe-Ansatz: Der Entnahmeplan wird aus dem Liquiditätstopf gespeist, während das Wachstumsportfolio langfristig investiert bleibt.

Inflation: Der stille Feind im Ruhestand

Ein Faktor, den viele Ruhestandsplaner unterschätzen, ist die Inflation. Bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von zwei Prozent pro Jahr verliert ein fixer Entnahmebetrag von 1.000 Euro binnen zehn Jahren etwa ein Fünftel seiner Kaufkraft. Wer seine Auszahlungen nicht regelmäßig anpasst, lebt faktisch immer bescheidener.

Das bedeutet: Eine gute Auszahlungsstrategie berücksichtigt Inflation explizit. Entweder durch jährliche Anpassung der Entnahmerate oder durch Instrumente, die einen realen Werterhalt ermöglichen, etwa durch inflationsgeschützte Anleihen, Dividendenfonds oder einen ausreichend hohen Aktienanteil im Portfolio.

Steuern im Ruhestand: Was Sie wissen sollten

Kapitalerträge, Dividenden und realisierte Kursgewinne unterliegen in Deutschland grundsätzlich der Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag. Es gibt jedoch Freibeträge: Der Sparerpauschbetrag liegt aktuell bei 1.000 Euro pro Person und 2.000 Euro bei zusammenveranlagten Ehepaaren (Stand 2026).

Hinweis: Steuerliche Details sind individuell verschieden und können sich durch gesetzliche Änderungen verändern. Sprechen Sie bei steuerlichen Fragen bitte mit einem qualifizierten Steuerberater.

Wer thesaurierende ETFs hält, sollte beachten, dass seit der Investmentsteuerreform 2018 auch thesaurierende Fonds jährlich der Vorabpauschale unterliegen. Im Ruhestand kann es sinnvoll sein, auf ausschüttende Varianten umzusteigen, um den Liquiditätsbedarf steuereffizient zu decken.

Vermögensverwaltung im Ruhestand: Wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist

Die Verwaltung eines Portfolios in der Entnahmephase ist anspruchsvoller als in der Ansparphase. Es geht nicht mehr nur darum, einen Sparplan laufen zu lassen und die Märkte für sich arbeiten zu lassen. Rebalancing, Entnahmeplanung, Inflationsanpassung, steuerliche Optimierung und die psychologische Disziplin, in Krisenzeiten ruhig zu bleiben, erfordern Know-how und Zeit.

Eine professionelle Vermögensverwaltung übernimmt genau diese Aufgaben. SJB Invest bietet mit den Strategien Surplus, Substanz und Nachhaltig aktiv gemanagte Ansätze, die seit Jahrzehnten konsequent antizyklisch ausgerichtet sind und mehrfach mit den PI-Stars ausgezeichnet wurden. Die Mindestanlage beginnt bereits ab 1.000 Euro als Einmalanlage oder 50 Euro monatlich.

Für Anleger, die lieber selbst die Kontrolle behalten, steht das DIY-Depot von SJB Invest zur Verfügung, mit Zugang zu über 10.000 ETFs und Fonds und bis zu 100 Prozent Rabatt auf den Ausgabeaufschlag.

Die häufigsten Fehler bei Auszahlungsstrategien im Ruhestand

  • Kein Plan, nur Bauchgefühl: Wer keine Strategie hat, handelt unstrukturiert und riskiert, sein Kapital früher als erwartet aufzubrauchen.
  • Zu hohe Entnahmerate: Mehr als vier bis fünf Prozent jährlich sind bei langen Ruhestandsphasen riskant.
  • Sequenzrisiko ignorieren: Wer in schlechten Börsenjahren hohe Entnahmen tätigt, schwächt das Portfolio dauerhaft.
  • Inflation vergessen: Feste Entnahmebeträge ohne Anpassung verlieren über die Jahre real an Wert.
  • Keine Diversifikation in der Entnahmephase: Nur auf eine Anlageklasse zu setzen, erhöht das Risiko.
  • Zu früh in Sicherheit fliehen: Wer mit 65 komplett aus Aktien aussteigt, verzichtet auf Wachstum, das über 20 bis 30 Jahre erheblich wäre.

Fazit

Auszahlungsstrategien im Ruhestand sind kein Luxusproblem, sondern eine der zentralen Aufgaben der privaten Finanzplanung. Wer frühzeitig einen klaren Plan entwickelt, das Sequenzrisiko im Blick behält und Inflation sowie Steuern einkalkuliert, kann von seinem Vermögen deutlich länger und komfortabler leben. Ob Prozentmethode, Ausschüttungsstrategie oder das Drei-Töpfe-Modell: Es gibt nicht die eine richtige Lösung, wohl aber die zur individuellen Situation passende. Das Team von SJB Invest begleitet Sie dabei, die richtige Strategie für Ihren Ruhestand zu entwickeln.

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Häufig gestellte Fragen zu Auszahlungsstrategien im Ruhestand

Was ist die Vier-Prozent-Regel und funktioniert sie noch?

Die Vier-Prozent-Regel besagt, dass ein gut diversifiziertes Portfolio bei einer jährlichen Entnahme von vier Prozent des Startkapitals über mindestens 30 Jahre erhalten bleibt. Sie basiert auf historischen US-Marktdaten und gilt als grobe Orientierungsgröße. In der Praxis sollten Inflation, individuelle Kosten und der konkrete Anlagemix berücksichtigt werden. Für sehr lange Ruhestandsphasen kann eine konservativere Rate von 3,0 bis 3,5 Prozent sinnvoller sein.

Was ist das Sequenzrisiko und wie schütze ich mich davor?

Das Sequenzrisiko beschreibt die Gefahr, dass starke Kursverluste zu Beginn der Entnahmephase das Portfolio dauerhaft schwächen. Schutz bietet das Drei-Töpfe-Modell: Ein Liquiditätspuffer aus Tagesgeld oder Geldmarkt-ETF deckt die laufenden Ausgaben für zwei bis drei Jahre ab, sodass Aktienanteile in Abschwungphasen nicht verkauft werden müssen.

Soll ich im Ruhestand thesaurierende oder ausschüttende ETFs halten?

In der Entnahmephase sprechen viele Argumente für ausschüttende ETFs oder Fonds. Sie liefern regelmäßige Zahlungen ohne Anteilsverkauf und können dabei helfen, den Liquiditätspuffer zu schonen. Thesaurierende ETFs sind hingegen in der Ansparphase vorteilhafter, da Erträge automatisch reinvestiert werden und der Zinseszinseffekt stärker wirkt.

Ab welchem Vermögen lohnt sich eine professionelle Vermögensverwaltung im Ruhestand?

SJB Invest bietet eine aktiv gemanagte Vermögensverwaltung bereits ab 1.000 Euro Einmalanlage oder 50 Euro monatlich an. Wer ein größeres Kapital anlegen möchte und eine vollständig individuelle Betreuung wünscht, kann einen persönlichen Beratungstermin vereinbaren, um die passende Strategie zu ermitteln.

Wie berücksichtige ich Inflation bei der Auszahlungsplanung?

Inflation lässt sich durch jährliche Anpassung der Entnahmerate berücksichtigen oder durch Anlageklassen, die reale Erträge liefern, etwa dividendenstarke Aktienfonds oder inflationsgeschützte Anleihen. Ein ausreichend hoher Aktienanteil im Portfolio sorgt langfristig dafür, dass das Kapital real nicht an Wert verliert.

Wie funktioniert ein systematischer Entnahmeplan konkret?

Bei einem systematischen Entnahmeplan legen Sie einmalig fest, welcher Betrag regelmäßig ausgezahlt werden soll. Das Depot löst dafür automatisch entsprechende Anteile auf. Über den Depotpartner FFB können solche Entnahmepläne strukturiert eingerichtet werden. SJB Invest berät Sie dabei, wie der Plan sinnvoll mit einer Drei-Töpfe-Struktur kombiniert werden kann.


Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlageberatung dar. Für eine persönliche Empfehlung sprechen Sie bitte direkt mit unserem Team. Steuer- und Rechtsfragen sollten mit einem qualifizierten Steuerberater oder Rechtsanwalt geklärt werden.

SJB Invest GmbH  & Co. KG  — Heckenend 2a | 41352 Korschenbroich | Gebundener Vermittler nach § 3 Abs. 2 WpIG unter Haftungsdach der BfV Bank für Vermögen AG (BaFin-reguliert)

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