Thesaurierend oder ausschüttend? Der große ETF-Vergleich

Ob thesaurierend oder ausschüttend – die Wahl des richtigen ETF-Typs hat direkten Einfluss auf Ihren Vermögensaufbau, Ihre Steuerlast und Ihren Cashflow. SJB bietet Zugang zu über 10.000 Fonds und ETFs, darunter beide Varianten, mit bis zu 100 % Rabatt auf den Ausgabeaufschlag. Lassen Sie sich von unseren Experten beraten, welche Ausschüttungsvariante zu Ihren Zielen passt.
thesaurierend oder ausschüttend
Geschrieben von
Sebastian Zimmermann
Erstellt am
05.05.2026
In diesem Artikel:

Wer sich zum ersten Mal ernsthaft mit ETFs beschäftigt, stößt schnell auf eine Frage, die größer klingt als sie ist, aber tatsächlich wichtige Konsequenzen hat: Soll es ein thesaurierender oder ein ausschüttender ETF sein? Auf den ersten Blick scheint es eine rein technische Detailfrage zu sein. In der Praxis beeinflusst diese Entscheidung jedoch, wie sich Ihr Depot über die Jahre entwickelt, wann und wie viel Steuern Sie zahlen und ob Sie im Ruhestand regelmäßige Erträge aus Ihrem Portfolio erhalten. Dieser Artikel erklärt beide ETF-Typen verständlich, zeigt die steuerlichen Unterschiede auf und hilft Ihnen dabei, fundiert zu entscheiden, ob thesaurierend oder ausschüttend für Sie besser passt.

Was bedeutet thesaurierend und ausschüttend?

Der Unterschied zwischen beiden ETF-Typen liegt in der Frage: Was passiert mit den Erträgen, die ein ETF erwirtschaftet, also Dividenden und Zinsen aus den enthaltenen Wertpapieren?

  • Ausschüttende ETFs (englisch: distributing) zahlen diese Erträge regelmäßig – oft quartalsweise oder jährlich – direkt auf Ihr Verrechnungskonto aus. Sie erhalten eine Gutschrift auf Ihrem Konto, ähnlich wie eine Dividendenzahlung.
  • Thesaurierende ETFs (englisch: accumulating) behalten diese Erträge im Fonds und reinvestieren sie automatisch. Die Ausschüttungen fließen nicht auf Ihr Konto, sondern erhöhen den Wert der Fondsanteile. Ihr Kapital wächst durch den Zinseszinseffekt – ohne dass Sie selbst aktiv werden müssen.

Tipp: In der Praxis erkennen Sie beide Typen oft an einem Kürzel im Fondsnamen: Ein „Acc" (Accumulating) steht für thesaurierend, ein „Dis" (Distributing) für ausschüttend.

Der Zinseszinseffekt: Warum Thesaurierung so mächtig ist

Der wohl größte Vorteil thesaurierender ETFs liegt im Zinseszinseffekt. Albert Einstein soll ihn einmal als „das achte Weltwunder" bezeichnet haben. Ob der Ausspruch echt ist oder nicht, das Prinzip dahinter ist es definitiv.

Konkret bedeutet das: Wenn ein thesaurierender ETF Dividenden reinvestiert, arbeiten diese Mittel sofort wieder mit. Sie erzielen im nächsten Zeitraum nicht nur Rendite auf Ihr ursprüngliches Kapital, sondern auch auf die reinvestierten Erträge. Über Jahrzehnte kann dieser Effekt den Unterschied zwischen einem soliden und einem außerordentlichen Vermögensaufbau ausmachen.

Beispiel: Angenommen, ein ETF auf den MSCI World erzielt eine durchschnittliche Jahresrendite von 7 %. Bei einem Startkapital von 10.000 Euro und einer Laufzeit von 25 Jahren ergibt sich mit Thesaurierung (ohne Steuerabzug auf laufende Ausschüttungen) ein rechnerisch höheres Endvermögen als mit einer ausschüttenden Variante, bei der die Erträge nicht automatisch wieder angelegt werden. Die Alternative wäre, Sie reinvestieren manuell, jedoch immer konsequent und sofort.

Hinweis: Diese Beispielrechnung dient der Veranschaulichung und stellt keine Renditeprognose dar. Tatsächliche Ergebnisse hängen von Marktentwicklungen, Kosten und individuellen steuerlichen Faktoren ab.

Steuer: Thesaurierend oder ausschüttend – was ist günstiger?

Die Steuerfrage ist in Deutschland seit der Investmentsteuerreform 2018 deutlich komplexer geworden. Ein Mythos hält sich bis heute hartnäckig: Thesaurierende ETFs seien steuerlich immer günstiger. Das stimmt so pauschal nicht mehr.

Wie werden ausschüttende ETFs besteuert?

Bei ausschüttenden ETFs unterliegen die Ausschüttungen direkt der Abgeltungsteuer (25 % zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer). Die Depotbank zieht die Steuer automatisch ab, sobald Ihre Erträge den Sparer-Pauschbetrag übersteigen.

Sparer-Pauschbetrag 2026: Bis zu 1.000 Euro (Einzelpersonen) bzw. 2.000 Euro (Ehepaare/eingetragene Lebenspartner) pro Jahr bleiben steuerfrei. Geben Sie Ihrer Depotbank unbedingt einen Freistellungsauftrag, ansonsten wird die Steuer automatisch einbehalten, auch auf den steuerfreien Betrag.

Wie werden thesaurierende ETFs besteuert?

Hier kommt der Begriff Vorabpauschale ins Spiel, ein Konzept, das viele Anleger verwirrt. Seit 2018 müssen auch thesaurierende ETFs jährlich besteuert werden, obwohl keine Ausschüttung fließt.

Technisch korrekt formuliert: Die Vorabpauschale ist nicht die Steuer selbst, sondern die Bemessungsgrundlage. Sie wird auf Basis des Basiszinssatzes der Deutschen Bundesbank berechnet. Die eigentliche Steuerlast ergibt sich dann als Abgeltungsteuer (25 %) plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer auf diese Pauschale, unter Berücksichtigung der Teilfreistellung.

Ein wichtiger Punkt, der Anlegern oft Sorge macht: Die Vorabpauschale ist durch den tatsächlichen Wertzuwachs des ETFs im Kalenderjahr nach oben begrenzt. Wenn der Markt stagniert oder der ETF im Wert gefallen ist, fällt trotz hohem Basiszins keine Vorabpauschale an. Anleger müssen also keine Steuern auf nicht vorhandene Gewinne fürchten.

In Jahren mit niedrigem oder negativem Basiszins (wie zwischen 2020 und 2023) war die Vorabpauschale gering oder entfiel sogar. Seit dem Zinsanstieg ist sie wieder spürbar relevant: Der Basiszins betrug für 2024 2,29 % und für 2025 sowie 2026 jeweils 2,12 % (veröffentlicht von der Deutschen Bundesbank am ersten Geschäftstag des jeweiligen Jahres). Die steuerliche Belastung für Anleger in thesaurierenden ETFs bleibt damit auch im laufenden Jahr 2026 auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr.

Wichtig: Die Abgeltungsteuer auf die Vorabpauschale wird in der Regel im Januar des Folgejahres vom Verrechnungskonto eingezogen. Für das Steuerjahr 2026 bedeutet das: Stellen Sie sicher, dass Ihr Verrechnungskonto Anfang Januar 2027 ausreichend gedeckt ist. Ist das nicht der Fall, kann die Depotbank verpflichtet sein, ETF-Anteile zu verkaufen.

Teilfreistellung – ein steuerlicher Vorteil für ETFs

Für Aktien-ETFs, also ETFs mit einer Aktienquote von mehr als 51 %, gilt in Deutschland eine Teilfreistellung von 30 %: 30 % der Erträge bleiben also steuerfrei. Das gilt für ausschüttende wie für thesaurierende Aktien-ETFs gleichermaßen und macht sie gegenüber Direktinvestments in vielen Fällen steuerlich attraktiv.

Hinweis: Die Teilfreistellungsquote variiert je nach ETF‑Typ. Bei Misch-ETFs (Aktienquote zwischen 25 % und 51 %) beträgt sie nur 15 %, bei Immobilien-ETFs gelten eigene Regelungen (i. d. R. 60 % bzw. 80 % bei überwiegend ausländischen Immobilien). Wer also breit diversifiziert oder auf Themen-ETFs setzt, sollte die jeweilige Kategorie seines ETFs kennen.

Merkmal Ausschüttender ETF Thesaurierender ETF
Ausschüttungsart Regelmäßige Zahlung aufs Konto Automatische Wiederanlage
Steuerzeitpunkt Bei jeder Ausschüttung Vorabpauschale jährlich + Verkauf
Steuerstundungseffekt Gering Höher (bei niedriger Vorabpauschale)
Zinseszinseffekt Nur bei manueller Wiederanlage Automatisch
Cashflow Regelmäßig Kein laufender Cashflow
Geeignet für Entnahmephase, Einkommensbedarf Vermögensaufbau, lange Laufzeit

Für wen eignet sich welcher ETF-Typ?

Die Entscheidung „thesaurierend oder ausschüttend" ist keine Frage von richtig oder falsch, sie ist eine Frage der persönlichen Lebenssituation und Ihrer Anlageziele.

Thesaurierende ETFs sind ideal für Sie, wenn…

  • Sie sich im Vermögensaufbau befinden und langfristig investieren möchten
  • Sie keinen laufenden Cashflow aus Ihrem Depot benötigen
  • Sie den Aufwand vermeiden möchten, Erträge manuell reinvestieren zu müssen
  • Sie den maximalen Zinseszinseffekt über Jahrzehnte nutzen wollen
  • Sie sich in der Ansparphase befinden, zum Beispiel für die Altersvorsorge

Ausschüttende ETFs sind ideal für Sie, wenn…

  • Sie sich in der Entnahmephase befinden und regelmäßige Einkünfte brauchen
  • Sie Ihren Sparer-Pauschbetrag aktiv nutzen möchten, um die Steuerstundung zu begrenzen
  • Sie psychologisch von sichtbaren Erträgen profitieren und diese als Motivation erleben
  • Sie ein passives Einkommen neben Ihrem Haupteinkommen aufbauen möchten
  • Sie mehrere Depots führen und die Ausschüttungen strategisch für andere Zwecke einsetzen

Tipp: Viele erfahrene Anleger kombinieren beide Varianten, thesaurierende ETFs für den langfristigen Kern des Portfolios und ausschüttende ETFs oder Dividendenfonds für einen regelmäßigen Cashflow-Anteil. Diese Kombination lässt sich im Rahmen einer individuellen Vermögensplanung optimal aufeinander abstimmen.

Praxishinweis: Der Freistellungsauftrag und die richtige Depotführung

Unabhängig davon, ob Sie sich für thesaurierende oder ausschüttende ETFs entscheiden: Ein korrekt eingerichteter Freistellungsauftrag ist Pflicht. Nur so stellen Sie sicher, dass Ihr jährlicher Sparer-Pauschbetrag (Stand 2026: 1.000 Euro für Einzelpersonen) tatsächlich steuerfrei bleibt.

Wenn Sie mehrere Depots bei verschiedenen Anbietern führen, können Sie den Pauschbetrag aufteilen, aber die Summe darf 1.000 Euro nicht übersteigen. Wichtig: Überprüfen Sie die Verteilung Ihrer Freistellungsaufträge jährlich. Durch Marktbewegungen, wie die Entwicklungen 2024 und 2025, können sich die tatsächlich anfallenden Erträge je Depot deutlich verschieben. Eine unausgewogene Aufteilung kann dazu führen, dass Sie an einem Depot bereits steuerpflichtige Erträge erzielen, während der Freibetrag bei einem anderen Depot ungenutzt bleibt.

Bei SJB wird Ihr Depot über die FFB (FIL Fondsbank) geführt, einen der erfahrensten und sichersten Fondsverwahrer in Deutschland. Der Freistellungsauftrag wird direkt bei der Depoteröffnung eingerichtet. Ihre jährliche Steuerbescheinigung – relevant für die Vorabpauschale und alle Ausschüttungen, – erhalten Sie digital im Online-Postfach Ihres FFB-Depots. Damit haben Sie jederzeit Zugriff auf alle steuerrelevanten Dokumente, ohne auf postalische Zusendungen warten zu müssen.

Hinweis: Steuer- und Rechtsfragen sollten stets mit einem qualifizierten Steuerberater oder Rechtsanwalt geklärt werden. Die Darstellung in diesem Artikel dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine individuelle Steuerberatung.

SJB-Strategie: Antizyklisch und strukturiert investieren

Bei SJB setzen wir auf einen konsequent antizyklischen Investmentansatz – wir investieren dort, wo andere verkaufen, und nutzen Marktverwerfungen als Einstiegschancen. Dieses Prinzip gilt unabhängig davon, ob thesaurierende oder ausschüttende ETFs und Fonds im Portfolio eingesetzt werden.

Unsere drei Kernstrategien – SJB Surplus, SJB Substanz und SJB Nachhaltig – sind individuell auf verschiedene Anlegerprofile zugeschnitten. Die Strategie SJB Nachhaltig ist zudem mehrfach mit den PI Stars ausgezeichnet worden, unter anderem für „Beste Nachhaltigkeitsstrategie" (Stand 2023). 

Mehr zu unseren Strategien finden Sie hier: Vermögensverwaltungsstrategien entdecken

Fazit

Die Frage „thesaurierend oder ausschüttend" hat keine universell richtige Antwort, aber sie hat eine für Ihre Situation richtige Antwort. Wer sich im Vermögensaufbau befindet und den Zinseszinseffekt voll ausschöpfen möchte, fährt mit thesaurierenden ETFs langfristig oft besser. Wer hingegen bereits von seinem Depot lebt oder regelmäßige Erträge schätzt, profitiert von ausschüttenden Varianten. Steuerlich haben sich die Unterschiede durch die Investmentsteuerreform teilweise angeglichen, dennoch lohnt es sich, die eigene Situation genau zu analysieren. Sprechen Sie mit uns: Wir helfen Ihnen, die richtige Wahl zu treffen.

Weiterführende Informationen bei SJB Invest


Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlageberatung dar. Für eine persönliche Empfehlung sprechen Sie bitte direkt mit unserem Team. Steuer- und Rechtsfragen sollten mit einem qualifizierten Steuerberater oder Rechtsanwalt geklärt werden.

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