Wie viel Tagesgeld als Notgroschen? Diese Summe wäre sinnvoll

Ein Notgroschen schützt vor teuren Krediten und ungeplanten Verkäufen von Wertpapieren. Die Faustregel lautet: drei bis sechs Nettomonatsgehälter und das Tagesgeldkonto gilt wegen seiner täglichen Verfügbarkeit und der gesetzlichen Einlagensicherung als naheliegender Aufbewahrungsort dafür.
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Geschrieben von
Sebastian Zimmermann
Erstellt am
01.07.2026
In diesem Artikel:

Die Waschmaschine streikt, das Auto braucht eine teure Reparatur oder der Job fällt unerwartet weg. Solche Situationen treffen jeden irgendwann und kündigen sich selten rechtzeitig an. Wer dann kein Geld zur Seite gelegt hat, gerät schnell in den Dispokredit oder muss langfristige Geldanlagen vorzeitig auflösen, oft mit finanziellen Nachteilen.

Genau hier kommt der Notgroschen ins Spiel. Doch wie hoch sollte diese Reserve tatsächlich ausfallen und warum gilt das Tagesgeldkonto als bevorzugter Aufbewahrungsort dafür? In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie Ihren persönlichen Notgroschen berechnen, worauf es bei der Anlage ankommt und wie Sie ihn Schritt für Schritt aufbauen.

Was ist ein Notgroschen und wozu dient er?

Ein Notgroschen, auch Liquiditätsreserve oder eiserne Reserve genannt, ist eine kurzfristig verfügbare finanzielle Rücklage für unvorhergesehene Ausgaben oder vorübergehende Einkommensausfälle. Er ist ausdrücklich nicht für geplante Anschaffungen wie den nächsten Urlaub gedacht, sondern für echte Notfälle.

Typische Situationen, für die ein Notgroschen gedacht ist:

SituationMögliche Kosten
Kurzfristiger JobverlustÜberbrückung mehrerer Monate ohne Einkommen
Reparatur von Auto oder HaushaltsgerätenMehrere hundert bis tausend Euro
Unerwartete Arztkosten oder ZuzahlungenVariable Beträge
Reparaturen am EigenheimMehrere tausend Euro

Ohne eine solche Reserve bleibt oft nur der teure Dispokredit oder der Verkauf von Wertpapieren zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Beides sollte vermieden werden.

Wie viel Tagesgeld als Notgroschen? – Die gängigen Faustregeln

Die Frage, wie viel Tagesgeld als Rücklage angemessen ist, lässt sich nicht pauschal mit einer einzigen Zahl beantworten. In der Finanzberatung haben sich jedoch zwei etablierte Herangehensweisen durchgesetzt.

Berechnung nach Nettomonatsgehältern

Die bekannteste Faustregel orientiert sich am monatlichen Nettoeinkommen. Je nach Quelle und individueller Lebenssituation werden unterschiedliche Bandbreiten empfohlen.

LebenssituationEmpfohlene Rücklage in Nettomonatsgehältern
Single mit sicherem Angestelltenverhältnis2 bis 3 Monatsgehälter
Paare ohne Kinder3 bis 4 Monatsgehälter
Familien mit Kindern4 bis 6 Monatsgehälter
Selbstständige und Freiberufler6 bis 12 Monatsgehälter

Beispiel: Wer netto 2.500 Euro im Monat verdient und in einem sicheren Angestelltenverhältnis als Single lebt, sollte demnach zwischen 5.000 und 7.500 Euro als Notgroschen zurücklegen. Bei einer vierköpfigen Familie mit demselben Haushaltsnettoeinkommen liegt die empfohlene Summe entsprechend höher, da hier mehr Personen abgesichert werden müssen und ein größerer Spielraum für unerwartete Ausgaben sinnvoll ist.

Tipp: Nutzen Sie die Bandbreite als Orientierung und nicht als starre Vorgabe. Wer sich mit weniger sicher fühlt, kann die Rücklage später aufstocken.

Berechnung nach monatlichen Fixkosten

Eine alternative und oft genauere Methode orientiert sich nicht am Einkommen, sondern an den tatsächlichen monatlichen Ausgaben. Dazu zählen Miete, Nebenkosten, Versicherungen, Lebensmittel und weitere laufende Verpflichtungen.

Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass sie exakt den Betrag abdeckt, der im Ernstfall wirklich benötigt wird, unabhängig vom Gehalt. Wer beispielsweise überdurchschnittlich verdient, aber bescheiden lebt, müsste nach der Gehaltsregel unnötig viel Geld zurücklegen, das anderweitig sinnvoller eingesetzt werden könnte.

Hinweis: Beide Berechnungsmethoden haben ihre Berechtigung. Wichtig ist, dass die gewählte Methode zur eigenen Lebenssituation passt und regelmäßig überprüft wird, etwa nach einer Gehaltserhöhung oder einem Umzug.

Welche Faktoren beeinflussen die persönliche Höhe?

Neben der grundsätzlichen Faustregel spielen individuelle Umstände eine wichtige Rolle bei der Festlegung der passenden Summe.

  • Jobsicherheit: Wer in einer unbefristeten Festanstellung mit geringem Kündigungsrisiko arbeitet, kann tendenziell mit einer kleineren Reserve auskommen als jemand mit befristetem Vertrag oder in einer wirtschaftlich unsicheren Branche
  • Familienstand: Mehrpersonenhaushalte benötigen in der Regel eine größere Rücklage als Alleinlebende, da mehr Menschen abgesichert werden müssen
  • Wohnsituation: Eigentümer eines Hauses sollten höhere Reparaturkosten einplanen als Mieter
  • Einkommensart: Selbstständige und Freiberufler mit unregelmäßigen Einnahmen sollten eine deutlich größere Reserve vorhalten als Angestellte mit festem Gehalt
  • Gesundheitliche Situation: Bei chronischen Erkrankungen können regelmäßige Zuzahlungen und Eigenanteile zusätzlich berücksichtigt werden

Beispiel: Eine selbstständige Grafikdesignerin mit schwankenden Auftragseingängen sollte eher das obere Ende der Bandbreite anstreben und idealerweise sechs bis zwölf Monatsausgaben zurücklegen, um Auftragsflauten überbrücken zu können.

Warum eignet sich gerade Tagesgeld für den Notgroschen?

Ein Notgroschen muss drei zentrale Eigenschaften erfüllen: Er muss jederzeit verfügbar sein, er darf keinen Wertschwankungen unterliegen und er sollte idealerweise getrennt vom Alltagskonto liegen. Genau diese Kriterien erfüllt ein Tagesgeldkonto besonders gut.

AnlageformVerfügbarkeitWertschwankungEignung für Notgroschen
TagesgeldkontoTäglichKeineSehr gut geeignet
GirokontoTäglichKeineBedingt geeignet, da Vermischung mit Alltagsausgaben
FestgeldkontoErst nach LaufzeitendeKeineUngeeignet als alleinige Reserve
ETFs und AktienMit Verzögerung durch VerkaufTeils erheblichUngeeignet

Festgeld scheidet für den klassischen Notgroschen aus, da das Geld für die vereinbarte Laufzeit gebunden ist und im Notfall nicht ohne Weiteres verfügbar ist. Wertpapiere wie ETFs oder Aktien sind für die langfristige Geldanlage hervorragend geeignet, bergen aber das Risiko, im Bedarfsfall genau dann verkauft werden zu müssen, wenn die Kurse gerade im Minus stehen.

Hinzu kommt die gesetzliche Einlagensicherung: Guthaben auf Tagesgeldkonten sind bei Banken im Europäischen Wirtschaftsraum bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank geschützt. Damit ist der Notgroschen auch im unwahrscheinlichen Fall einer Bankeninsolvenz abgesichert.

Tipp: Führen Sie den Notgroschen auf einem separaten Tagesgeldkonto, das vom Girokonto getrennt ist. So vermeiden Sie, dass Geld versehentlich für Alltagsausgaben verwendet wird, und behalten gleichzeitig den vollen Zugriff im Ernstfall.

Wie wirken sich die aktuellen Zinsen aus?

Die Europäische Zentralbank hat den Einlagenzins am 11. Juni 2026 um 0,25 Prozentpunkte angehoben, er liegt seither bei 2,25 Prozent. Da sich die Konditionen für Tagesgeld an diesem Leitzins orientieren, können auch die Zinsen auf Tagesgeldkonten in den kommenden Wochen leicht steigen, abhängig davon, in welchem Umfang die jeweilige Bank die Erhöhung an ihre Kunden weitergibt.

Für den Notgroschen sollte der erzielbare Zins jedoch nie das entscheidende Kriterium sein. Sicherheit und Verfügbarkeit stehen klar im Vordergrund, eine attraktive Verzinsung ist ein willkommener Nebeneffekt, aber nicht der Hauptzweck dieser Rücklage.

Hinweis: Tagesgeldzinsen sind variabel und können sich jederzeit ändern. Konkrete Zinssätze nennen wir hier bewusst nicht, da sich die Konditionen am Markt laufend verändern. Aktuelle Angebote besprechen Sie am besten direkt mit unserem Team.

Schritt für Schritt zum eigenen Notgroschen

Der Aufbau eines Notgroschens gelingt am besten mit einem klaren Plan und realistischen Zwischenzielen.

  1. Zielsumme festlegen: Berechnen Sie anhand der Faustregeln und Ihrer individuellen Situation, welche Summe für Sie passend ist
  2. Separates Tagesgeldkonto eröffnen: Trennen Sie die Rücklage organisatorisch vom laufenden Girokonto
  3. Sparrate definieren: Legen Sie einen festen Betrag fest, der monatlich automatisch überwiesen wird
  4. Dauerauftrag einrichten: Automatisieren Sie den Sparprozess direkt nach Gehaltseingang, das senkt die Versuchung, das Geld anderweitig auszugeben
  5. Sonderzahlungen nutzen: Urlaubsgeld, Steuererstattungen oder Boni eignen sich gut, um den Notgroschen schneller aufzustocken
  6. Fortschritt regelmäßig prüfen: Passen Sie die Sparrate an, wenn sich Einkommen oder Lebenssituation ändern

Beispiel: Bei einer monatlichen Sparrate von 150 Euro lässt sich ein Notgroschen von 5.400 Euro innerhalb von drei Jahren aufbauen, schneller noch, wenn zusätzliche Sonderzahlungen eingerechnet werden.

Was passiert, wenn der Notgroschen vollständig aufgebaut ist?

Sobald die gewünschte Zielsumme erreicht ist, sollten weitere Sparbeiträge nicht zwangsläufig weiter auf dem Tagesgeldkonto landen. Stattdessen kann es sinnvoll sein, die überschüssige Sparrate in den langfristigen Vermögensaufbau umzuleiten, etwa über einen ETF-Sparplan oder eine professionell verwaltete Anlagestrategie.

Der Notgroschen selbst bleibt davon unberührt und wird ausschließlich für echte Notfälle verwendet. Nach jeder Inanspruchnahme sollte die Reserve möglichst zeitnah wieder aufgefüllt werden, um die finanzielle Absicherung dauerhaft zu erhalten.

Häufige Fehler beim Umgang mit dem Notgroschen

  • Zu geringe Rücklage: Wer deutlich unter der empfohlenen Bandbreite bleibt, gerät bei größeren Notfällen schnell in finanzielle Engpässe
  • Kein separates Konto: Geld auf dem Girokonto wird häufig unbemerkt für andere Zwecke ausgegeben
  • Anlage in schwankungsanfälligen Produkten: Aktien, Fonds oder andere risikobehaftete Anlagen sind für den Notgroschen ungeeignet
  • Überversicherung: Wer deutlich mehr zurücklegt als nötig, verzichtet auf mögliche Renditechancen einer langfristigen Geldanlage

(FAQ) – Häufige Fragen zum Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto

Wie viel Tagesgeld sollte ich als Notgroschen zurücklegen? 

Als Faustregel gelten drei bis sechs Nettomonatsgehälter beziehungsweise Monatsausgaben. Selbstständige sollten eher sechs bis zwölf Monate einplanen, da ihr Einkommen oft weniger planbar ist.

Warum eignet sich Festgeld nicht für den Notgroschen? 

Festgeld ist für eine feste Laufzeit gebunden und im Notfall nicht ohne Weiteres verfügbar. Der Notgroschen muss jedoch jederzeit zugänglich sein, weshalb Tagesgeld die passendere Wahl ist.

Ist mein Geld auf dem Tagesgeldkonto sicher? 

Guthaben auf Tagesgeldkonten sind innerhalb der gesetzlichen Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank geschützt.

Sollte ich meinen gesamten Notgroschen bei einer einzigen Bank anlegen? 

Das ist möglich, solange die Summe innerhalb der gesetzlichen Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Kunde und Bank liegt. Wer größere Summen zurücklegt, kann diese auf mehrere Institute verteilen.

Fazit

Wie viel Tagesgeld als Notgroschen sinnvoll ist, hängt von individuellen Faktoren wie Einkommen, Familienstand und Jobsicherheit ab. Als Orientierung gelten drei bis sechs Nettomonatsgehälter oder Monatsausgaben, Selbstständige sollten eher mehr zurücklegen. Entscheidend ist, dass die Rücklage jederzeit verfügbar, wertstabil und getrennt vom Alltagskonto angelegt ist. Genau diese Eigenschaften erfüllt ein Tagesgeldkonto und macht es damit zur naheliegenden Wahl für die eiserne Reserve.

Wenn der Notgroschen aufgebaut ist, lohnt sich der Blick auf den weiteren Vermögensaufbau, etwa über ein DIY-Depot mit ETFs und Fonds oder eine professionell betreute Vermögensverwaltung.

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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlageberatung dar. Für eine persönliche Empfehlung sprechen Sie bitte direkt mit unserem Team. Steuer- und Rechtsfragen sollten mit einem qualifizierten Steuerberater oder Rechtsanwalt geklärt werden.

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