Wer sein Erspartes anlegen möchte, steht vor einer grundlegenden Frage: Soll das Portfolio möglichst breit gestreut und damit sicher sein, oder sollen gezielte Investments für überdurchschnittliche Renditen sorgen? Die Antwort lautet: beides. Die Core-Satellite-Strategie mit ETFs vereint genau diese scheinbar gegensätzlichen Ziele. Sie gibt dem Depot eine klare Struktur, ohne Flexibilität zu opfern. Wer verstehen möchte, wie dieses Prinzip funktioniert und wie es sich konkret umsetzen lässt, findet in diesem Ratgeber einen praxisnahen Überblick.
Was ist die Core-Satellite-Strategie?
Die Core-Satellite-Strategie teilt ein Portfolio in zwei klar definierte Bereiche auf: den Core (Kern) und die Satellites (Satelliten). Diese Aufteilung stammt ursprünglich aus dem institutionellen Portfoliomanagement. Die konzeptionellen Grundlagen gehen auf das Treynor-Black-Modell aus dem Jahr 1973 zurück, mit dem die Ökonomen Jack Treynor und Fischer Black erstmals systematisch beschrieben, wie sich ein marktbreites Basisportfolio sinnvoll mit aktiv gesteuerten Einzelpositionen kombinieren lässt. Heute ist die Core-Satellite-Strategie einer der verbreitetsten Ansätze für private und institutionelle Anleger gleichermaßen.
Der Grundgedanke ist denkbar einfach: Der Kern sorgt für Stabilität und Kosteneffizienz. Die Satelliten ermöglichen gezielte Renditechancen.
Der Core – das stabile Fundament
Der Core-Anteil macht in der Regel 60 bis 80 Prozent des Gesamtportfolios aus. Er besteht typischerweise aus breit gestreuten, kostengünstigen ETFs, die große Teile des globalen Aktienmarkts abbilden. Klassische Beispiele sind ETFs auf den MSCI World, den FTSE All World oder vergleichbare Weltindizes. Diese Produkte bilden die allgemeine Marktentwicklung möglichst genau nach und bieten durch ihre breite Streuung ein hohes Maß an Diversifikation bei gleichzeitig niedrigen laufenden Kosten.
Auch Anleihen-ETFs oder dividendenstarke Fonds können je nach Risikoprofil Teil des Kerns sein und das Gesamtrisiko des Portfolios weiter reduzieren.
Die Satellites – gezielte Beimischungen
Die Satellitenpositionen machen in der Regel 20 bis 40 Prozent des Portfolios aus und werden bewusst fokussiert eingesetzt. Sie dienen dazu, bestimmte Themen, Regionen, Branchen oder Anlagestile gezielt abzubilden, die im Kernportfolio nicht oder nur unterrepräsentiert sind. Mögliche Satellite-Investments sind beispielsweise:
- Themen-ETFs (z. B. digitale Infrastruktur, Gesundheit, erneuerbare Energien)
- Regionen-ETFs (z. B. Emerging Markets, Asien-Pazifik)
- Sektor-ETFs (z. B. Technologie, Rohstoffe)
- Nachhaltigkeitsfonds mit ESG-Fokus
- Aktiv gemanagte Fonds mit spezifischer Strategie
- Dividendenfonds oder Small-Cap-Strategien
Tipp: Einzelne Satelliten-Positionen sollten nicht mehr als 5 bis 10 Prozent des Gesamtportfolios ausmachen. So bleibt der Einfluss eines Ausreißers auf das Gesamtdepot überschaubar.
Vorteile der Core-Satellite-Strategie mit ETFs
Die Core-Satellite-Strategie überzeugt durch mehrere strukturelle Stärken, die sie für unterschiedliche Anlegerprofile interessant machen.
Klare Struktur mit nachvollziehbarer Logik
Das Portfolio hat eine transparente Aufteilung: Der Kern ist das Fundament, die Satelliten sind die Impulsgeber. Diese Trennung erleichtert die Überprüfung und Pflege des Depots erheblich. Anleger wissen jederzeit, welche Position welche Aufgabe erfüllt.
Kosteneffizienz durch ETF-basiertes Kernportfolio
Da der Großteil des Vermögens in passiven, börsengehandelten Indexfonds steckt, bleiben die laufenden Kosten gering. Aktiv gemanagte Fonds kommen nur im Satelliten-Bereich zum Einsatz und halten die Gesamtkostenquote des Portfolios damit auf einem vernünftigen Niveau.
Flexibilität ohne Instabilität
Die Satelliten lassen sich bei veränderten Marktbedingungen oder neuen Themen anpassen, ohne dass die Kernstruktur angetastet wird. Das ermöglicht ein aktives Reagieren auf Marktchancen, ohne das gesamte Portfolio neu auszurichten.
Kombination von passivem und aktivem Investieren
Wer ausschließlich passiv investiert, verzichtet möglicherweise auf Chancen in dynamischen Wachstumsbereichen. Wer ausschließlich aktiv vorgeht, trägt höhere Kosten und ein höheres Verlustrisiko. Die Core-Satellite-Strategie verbindet beide Welten auf sinnvolle Weise.
Hinweis: Keine Anlagestrategie garantiert eine bestimmte Rendite. Die Wertentwicklung von ETFs und Fonds kann schwanken und ist von vielen Faktoren abhängig. Eine persönliche Beratung hilft dabei, die passende Strategie für Ihre individuelle Situation zu finden.
Für wen eignet sich die Core-Satellite-Strategie?
Die Core-Satellite-Strategie ist kein Nischenprodukt für erfahrene Börsenprofis. Sie eignet sich für eine breite Gruppe von Anlegerinnen und Anlegern, die folgende Merkmale teilen:
- Sie möchten langfristig Vermögen aufbauen und suchen eine klare Struktur.
- Sie sind bereit, ein moderates Risiko einzugehen und verstehen die Grundlagen des Investierens.
- Sie wollen von breiten Marktentwicklungen profitieren und gleichzeitig gezielte Schwerpunkte setzen.
- Sie schätzen Transparenz und möchten ihr Depot ohne großen Aufwand verstehen und pflegen.
Besonders gut eignet sich der Ansatz für Anleger, die bereits einen MSCI World ETF oder ähnliche Basisinvestments besitzen und nun einen strukturierten Weg suchen, das Depot gezielt zu erweitern.
Beispiel: Eine Anlegerin hat 50.000 Euro zur Verfügung. Sie investiert 70 Prozent (35.000 Euro) in einen weltweit gestreuten Aktien-ETF als Core und verteilt die restlichen 30 Prozent (15.000 Euro) auf drei Satelliten: einen Nachhaltigkeitsfonds, einen Schwellenländer-ETF und einen Dividendenfonds. So entsteht ein ausgewogenes Portfolio mit solider Basis und gezielten Renditechancen.
Schritt für Schritt: So bauen Sie ein Core-Satellite-Portfolio auf
Der Aufbau eines Core-Satellite-Portfolios folgt einer nachvollziehbaren Vorgehensweise, die sich in drei wesentliche Phasen gliedert.
Schritt 1: Eigenes Risikoprofil bestimmen
Bevor Sie konkrete ETFs oder Fonds auswählen, sollten Sie Ihre persönliche Risikobereitschaft und Ihren Anlagehorizont klären. Wer langfristig investiert und vorübergehende Kursschwankungen aushalten kann, darf einen höheren Aktienanteil im Core wählen. Wer mehr Sicherheit bevorzugt, ergänzt den Kern um Anleihen-ETFs oder andere defensive Bausteine.
Einen ersten Orientierungsrahmen bieten folgende Faustregeln für die Core-Aufteilung:
Schritt 2: Kern-ETF auswählen
Der Core sollte aus einem oder maximal zwei breiten, kostengünstigen ETFs bestehen. Wichtig ist eine möglichst breite geografische und sektorale Streuung. Beliebte Indizes für den Kern sind der MSCI World (ca. 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern) oder der FTSE All World (über 3.700 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern). Wer nachhaltiges Investieren in den Mittelpunkt stellen möchte, findet auch ESG-konforme Kernindizes.
Schritt 3: Satelliten bewusst auswählen und gewichten
Satelliten sollten einen klaren Investmentgedanken verfolgen und zum Gesamtportfolio passen. Vermeiden Sie eine zu hohe Überschneidung mit dem Kern: Wenn Ihr Core bereits stark in US-Technologieunternehmen investiert, wäre ein weiterer Technologie-ETF als Satellit wenig diversifizierend.
Hinweis: Die Zahl der Satelliten sollte überschaubar bleiben. Drei bis fünf Positionen sind in der Regel ausreichend. Zu viele Satelliten erhöhen die Komplexität und können die Vorteile der Strategie wieder zunichtemachen.
Core-Satellite-Strategie und aktiv gemanagte Fonds
Eine häufige Frage ist, ob aktiv gemanagte Fonds in einem Core-Satellite-Portfolio sinnvoll sind. Die Antwort: Ja, aber in der richtigen Position. Während der Core auf Kosteneffizienz ausgelegt ist und passive Indexfonds bevorzugt, können aktiv gemanagte Fonds im Satelliten-Bereich durchaus eine Berechtigung haben. Besonders in weniger effizienten Marktsegmenten wie Schwellenländern oder spezialisierten Themenbereichen kann ein erfahrenes Fondsmanagement Mehrwert erzeugen, den ein passiver Index nicht abbildet.
SJB Invest verfolgt mit seinen aktiv gemanagten Strategien genau diesen Ansatz: antizyklisch, fundamental begründet und auf langfristigen Mehrwert ausgerichtet. Die Strategien SJB Surplus, SJB Substanz und SJB Nachhaltig wurden mit dem PI Stars Award ausgezeichnet, unter anderem für „Bestes Management“ und „Nachhaltigste Strategie“ und können als Satelliten-Positionen im Rahmen einer Core-Satellite-Strategie eine wertvolle Ergänzung sein.
Typische Fehler bei der Umsetzung
Auch bei einer durchdachten Strategie gibt es häufige Fehler, die Anleger kennen sollten:
- Zu viele Satelliten-Positionen: Wer zu viele kleine Positionen aufbaut, verliert den Überblick und die klare Struktur geht verloren. Weniger ist hier mehr.
- Kern und Satelliten überschneiden sich stark: Wenn Core und Satelliten sehr ähnliche Märkte abbilden, entsteht kein echter Diversifikationseffekt. Die Satelliten sollten echte Ergänzungen sein, keine Dopplungen.
- Satelliten vernachlässigen: Wer die Satelliten-Positionen einmal kauft und dann jahrelang nicht überprüft, verpasst die Chance auf gezielte Anpassungen. Einmal pro Jahr sollte das Portfolio auf seine Ausrichtung hin überprüft werden.
- Zu hohe Gewichtung einzelner Satelliten: Wenn ein Satellit mehr als 10 bis 15 Prozent des Gesamtportfolios ausmacht, kann er bei einem Kursrückgang das gesamte Depot empfindlich belasten.
Tipp: Ergänzend zur Struktur empfiehlt sich regelmäßiges Rebalancing. Das bedeutet: Wenn ein einzelner Satellit (z. B. ein Technologie-ETF) durch starke Kurszuwächse plötzlich 25 statt der geplanten 10 Prozent des Depots ausmacht, wird er teilverkauft und die Gewinne werden in den Kern umgeschichtet. So bleibt die ursprüngliche Risikostruktur erhalten.
Core-Satellite-Strategie einfach umsetzen: mit SJB
Wer eine Core-Satellite-Strategie umsetzen möchte, braucht vor allem eines: Zugang zu einem breiten Universum an ETFs und Fonds. SJB Invest bietet genau das: Über 10.000 ETFs und Fonds stehen zur Auswahl, mit bis zu 100 Prozent Rabatt auf den Ausgabeaufschlag und ohne laufende Verwaltungsgebühr für das Depot. Die Abwicklung erfolgt über die FFB (FIL Fondsbank), einem erfahrenen und zuverlässigen Depotpartner.
Wer lieber eine vollständig verwaltete Lösung bevorzugt, kann auf die Vermögensverwaltung von SJB zurückgreifen. Die aktiv gemanagten Strategien beginnen bereits ab 1.000 Euro Einmalanlage oder 50 Euro monatlichem Sparplan.
Für Anleger, die Orientierung suchen oder unsicher sind, welche Zusammensetzung zu ihrer Situation passt, steht das Team von SJB mit über 220 Jahren kumulierter Investmenterfahrung für ein persönliches Gespräch bereit.
Wer sich zunächst mehr Grundlagenwissen aneignen möchte, findet im SJB-Ratgeber eine Vielzahl weiterführender Artikel, etwa zu ETF-Grundlagen, aktiv gemanagten Fonds oder dem Aufbau eines ETF-Weltportfolios.
Fazit
Die Core-Satellite-Strategie mit ETFs ist ein bewährter und strukturierter Ansatz für den langfristigen Vermögensaufbau. Sie verbindet die Stabilität breit gestreuter Marktinvestments mit der Flexibilität gezielter Beimischungen. Das Ergebnis ist ein Portfolio, das sowohl in ruhigen als auch in turbulenten Marktphasen eine klare Orientierung bietet. Wer die Grundlogik einmal verstanden hat, kann die Strategie mit wenigen Bausteinen umsetzen und sie Schritt für Schritt verfeinern. Entscheidend ist nicht die Perfektion des Portfolios, sondern der konsequente und disziplinierte Umgang mit der gewählten Struktur. Stand 2026 bietet das breite ETF-Angebot hervorragende Möglichkeiten, diesen Ansatz auch mit kleinen Anlagebeträgen zu realisieren.
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FAQ: Core-Satellite-Strategie mit ETFs
Was ist die Core-Satellite-Strategie einfach erklärt?
Die Core-Satellite-Strategie teilt ein Portfolio in zwei Bereiche: einen stabilen Kern (Core) aus breiten, kostengünstigen ETFs und gezielte Satelliten-Investments (Satellites), die auf bestimmte Themen, Regionen oder Branchen setzen. Der Kern sorgt für Stabilität, die Satelliten für Renditechancen.
Wie viel sollte ich in den Core und wie viel in Satelliten investieren?
Eine verbreitete Aufteilung ist 70 bis 80 Prozent in den Core und 20 bis 30 Prozent in Satelliten. Konservative Anleger wählen 85 bis 90 Prozent für den Kern, während renditeorientierte Anleger den Satelliten-Anteil auf bis zu 40 Prozent ausweiten können. Die optimale Aufteilung hängt vom individuellen Risikoprofil ab.
Welche ETFs eignen sich als Core?
Als Kern-ETFs eignen sich breit gestreute, global investierende Indexfonds mit niedrigen laufenden Kosten. Verbreitete Beispiele sind ETFs auf den MSCI World oder den FTSE All World, die Hunderte bis Tausende Unternehmen aus Industrie- und teils Schwellenländern abdecken.
Kann ich aktiv gemanagte Fonds in der Core-Satellite-Strategie einsetzen?
Ja. Aktiv gemanagte Fonds eignen sich besonders als Satelliten-Positionen, etwa in spezialisierten Märkten oder bei bestimmten Anlagestilen wie antizyklischen Strategien. Im Kern empfehlen sich hingegen in der Regel günstige Indexfonds, um die Gesamtkostenquote niedrig zu halten.
Wie oft sollte ich mein Core-Satellite-Portfolio überprüfen?
Eine jährliche Überprüfung und ggf. ein Rebalancing sind empfehlenswert. Dabei wird die ursprüngliche Aufteilung zwischen Core und Satelliten wiederhergestellt, falls sie sich durch unterschiedliche Wertentwicklungen verschoben hat.

