Wer selbstständig oder freiberuflich tätig ist, kennt das Problem: keine betriebliche Altersvorsorge, keinen Arbeitgeberzuschuss, keine automatische Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung. Die Altersvorsorge liegt vollständig in den eigenen Händen – und das erfordert ein klares Konzept. Die Rürup-Rente wurde vom Gesetzgeber genau für diese Gruppe konzipiert. Doch wie funktioniert sie, was sind die konkreten Vorteile, und wo liegen die Grenzen? In diesem Beitrag erfahren Sie alles Wesentliche rund um die Rürup-Rente für Selbstständige, kompakt, verständlich und auf dem Stand von 2026 erklärt.
Was ist die Rürup-Rente? Grundlagen kurz erklärt
Die Rürup-Rente, benannt nach dem Ökonomen Bert Rürup, ist ein kapitalgedecktes Altersvorsorgeprodukt, das 2005 eingeführt wurde. Im Unterschied zur Riester-Rente richtet sie sich nicht primär an Arbeitnehmer, sondern an:
- Selbstständige und Freiberufler ohne Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung
- Gutverdiener mit hoher Steuerlast, die von den Sonderausgabenabzügen profitieren möchten
- Angestellte, die ergänzend zur gesetzlichen Rente vorsorgen wollen
Das Prinzip: Sie zahlen Beiträge in einen Rürup-Vertrag ein, der Staat fördert dies durch einen Steuerabzug, und ab dem frühestmöglichen Renteneintrittsalter (62 Jahre, bei Verträgen ab 2012) erhalten Sie eine lebenslange monatliche Rente.
Hinweis: Die Rürup-Rente ist keine Kapitalanlage im klassischen Sinne, sie sichert eine monatliche Leibrente. Eine Kapitalauszahlung am Ende ist gesetzlich ausgeschlossen. Bitte besprechen Sie Ihre individuelle Situation in einem persönlichen Beratungsgespräch.
Die steuerlichen Vorteile der Rürup-Rente für Selbstständige
Der größte Hebel der Rürup-Rente liegt in der Steuerersparnis in der Einzahlungsphase. Das ist besonders für Selbstständige mit hohem Einkommen attraktiv.
Sonderausgabenabzug 2026
Wie bereits seit 2023 gilt auch im Jahr 2026 die volle 100-prozentige Absetzbarkeit der Beiträge als Sonderausgaben, ein Vorteil, der ursprünglich erst für 2025 geplant war und durch das Wachstumschancengesetz vorgezogen wurde. Die Höchstbeträge für 2026 betragen nach aktuellem Stand der Beitragsbemessungsgrenzen voraussichtlich:
Beispiel: Ein selbstständiger Unternehmensberater mit einem zu versteuernden Einkommen von 90.000 Euro zahlt jährlich 12.000 Euro in eine Rürup-Rente ein. Bei einem Grenzsteuersatz von rund 42 % spart er dadurch ca. 5.040 Euro Einkommensteuer, plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Über 20 Jahre summiert sich das auf erhebliche Beträge.
Tipp: Je höher Ihr Steuersatz, desto mehr profitieren Sie vom Sonderausgabenabzug. Für Selbstständige mit hohem Jahreseinkommen ist die Rürup-Rente deshalb oft deutlich attraktiver als andere Vorsorgeformen.
Flexibilität: Was die Rürup-Rente erlaubt – und was nicht
Ein kritischer Punkt bei der Rürup-Rente ist die eingeschränkte Flexibilität. Wer diese Vorsorgeform wählt, sollte die Rahmenbedingungen genau kennen:
Was Sie dürfen:
- Beiträge jährlich flexibel anpassen (je nach Anbieter auch auf null reduzieren)
- Zwischen verschiedenen Produktvarianten wählen: klassische Rentenversicherung, fondsgebundene Rürup-Rente oder Rürup-Depot (ETF-basiert)
- Den Vertrag beitragsfrei stellen, wenn Sie in ein einkommensschwaches Jahr geraten
Was gesetzlich ausgeschlossen ist:
- Keine Kapitalauszahlung, weder bei Rentenbeginn noch vorher
- Keine Beleihung oder Abtretung des Vertragsguthabens
- Nicht frei vererbbar - das angesparte Kapital kann im Todesfall nur an gesetzlich definierte Personengruppen fließen: Ehepartner, eingetragene Lebenspartner oder kindergeldberechtigte Kinder (als Waisenrente). Eine Auszahlung an andere Erben, Geschwister, Eltern oder Partner in einer Lebensgemeinschaft ohne Trauschein, ist systembedingt ausgeschlossen. Das ist ein oft unterschätzter Nachteil gegenüber einer privaten Rentenversicherung der sogenannten Schicht 3, bei der die Erbenregelung deutlich flexibler ist. Optional kann eine Rentengarantiezeit oder ein erweiterter Hinterbliebenenschutz vereinbart werden.
- Keine vorzeitige Kündigung mit Auszahlung des Rückkaufswertes
Hinweis: Die Unflexibilität ist für viele Selbstständige der größte Kritikpunkt. Besonders in wirtschaftlich unsicheren Phasen kann es unangenehm sein, auf das angesparte Kapital nicht zugreifen zu können. Lassen Sie sich individuell beraten, bevor Sie eine langfristige Entscheidung treffen.
Rürup-Rente: Fondsgebunden oder klassisch?
Wer eine Rürup-Rente abschließt, kann zwischen verschiedenen Produktvarianten wählen. Die wichtigste Unterscheidung:
Klassische Rürup-Rente (Versicherungslösung)
- Garantierter Rentenfaktor und Mindestleistung
- Sehr geringe Renditechancen durch konservative Anlage
- Weniger geeignet für langfristige Wachstumsziele
Fondsgebundene Rürup-Rente
- Beiträge werden in Investmentfonds oder ETFs investiert
- Höhere Renditechancen, aber auch mehr Schwankungen
- Kein garantierter Rentenfaktor – das Rentenkapital ist marktabhängig
Rürup-Depot (ETF-Rürup / Fondsdepot-Lösung)
Neuere Anbieter ermöglichen es, Rürup-Verträge über ein reines Fondsdepot abzuwickeln, mit Zugang zu ETFs und Investmentfonds bei geringen Kosten. Diese Variante vereint steuerliche Förderung mit kostengünstiger Kapitalanlage.
Ein wichtiger Punkt, den Anleger verstehen müssen: Auch beim Rürup-Depot gilt die gesetzliche Pflicht zur Verrentung. Das bedeutet: Während der Ansparphase profitieren Sie von der Rendite eines Fondsdepots – zum Rentenbeginn muss das angesparte Kapital jedoch in eine lebenslange Leibrente überführt werden, meist über eine angeschlossene Versicherungslösung. Wer also auf maximale Auszahlungsflexibilität am Ende hofft, wird durch dieses Konstrukt enttäuscht. Der Vorteil liegt klar in der Ansparphase: niedrigere Kosten, breite Fondsauswahl, Renditechancen des Kapitalmarkts.
Tipp: Wer eine möglichst renditebewusste Altersvorsorge sucht, sollte die fondsbasierte Variante ernsthaft prüfen. Bei SJB Invest GmbH & Co. KG beraten wir Sie gerne zu den verschiedenen Strategien – von wachstumsorientierten bis hin zu substanzorientierten Anlagekonzepten.
Besteuerung im Rentenalter: Was Sie wirklich wissen müssen
Die steuerliche Förderung in der Einzahlungsphase hat eine Kehrseite: Die spätere Rente ist zu einem Großteil steuerpflichtig – man spricht von der nachgelagerten Besteuerung. Wichtig: Die oft zitierte „100-prozentige Besteuerung" gilt so pauschal nicht für alle Jahrgänge.
Durch das Wachstumschancengesetz wurde der Anstieg des steuerpflichtigen Rentenanteils verlangsamt. Seit 2023 steigt er nur noch in Schritten von 0,5 Prozentpunkten pro Jahr (zuvor: 1,0 Prozentpunkte). Die Entwicklung im Überblick:
Für Neurentner des Jahres 2026 liegt der steuerpflichtige Anteil der Rürup-Rente also bei 84 % - 16 % bleiben steuerfrei. Die vollständige Besteuerung von 100 % wird erst für Renteneintritte ab dem Jahr 2058 erreicht.
Das bedeutet konkret:
- 84 % der Rentenzahlungen werden mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert, 16 % bleiben steuerfrei
- Im Rentenalter ist das zu versteuernde Einkommen in der Regel deutlich niedriger als in der Erwerbsphase, der Nettovorteil bleibt also in den meisten Fällen erhalten
- Wer im Alter wenig andere Einkünfte hat, kann unter dem Grundfreibetrag bleiben und zahlt kaum oder keine Steuer
Hinweis: Steuerliche Fragen rund um die Rürup-Rente sind komplex und individuell. Bitte wenden Sie sich für eine genaue Berechnung an einen Steuerberater.
Vor- und Nachteile der Rürup-Rente auf einen Blick
Für wen lohnt sich die Rürup-Rente selbstständig besonders?
Die Rürup-Rente ist keine Universallösung – sie entfaltet ihren größten Nutzen für bestimmte Profile:
- Selbstständige mit hohem und regelmäßigem Einkommen, die von den Steuervorteilen stark profitieren
- Freiberufler ohne berufsständische Versorgung (z. B. IT-Berater, Coaches, Grafiker)
- Über-50-Jährige, die noch gezielt Steuern optimieren und Rentenkapital aufbauen wollen
- Selbstständige, die keine Rentenanwartschaft aus der gesetzlichen Rentenversicherung haben und eine verlässliche Leibrente anstreben
Wer hingegen jünger ist, ein noch schwankendes Einkommen hat oder maximale Flexibilität benötigt, sollte die Rürup-Rente mit anderen Anlageformen kombinieren, etwa mit einem ETF-Depot über SJB oder einer professionellen Vermögensverwaltungsstrategie.
Rürup-Rente vs. Alternativen: Ein kurzer Vergleich für Selbstständige
Wer als Selbstständiger vorsorgt, hat grundsätzlich mehrere Optionen. Die Rürup-Rente ist nicht die einzige – aber in bestimmten Situationen die steuerlich sinnvollste. Ein grober Überblick:
Das Ergebnis: Für viele Selbstständige ist eine Kombination am sinnvollsten, die Rürup-Rente für den steuerlich optimierten Sockel, ergänzt durch ein flexibles ETF-Depot oder eine aktiv gemanagte Vermögensverwaltung für mehr Kapitalmarktchancen und Liquiditätsreserve. Welche Gewichtung für Sie passt, hängt von Ihrem Einkommen, Ihrem Steuersatz und Ihrem Zeithorizont ab.
Tipp: Bei SJB Invest GmbH & Co. KG betreuen wir seit über 35 Jahren auch selbstständige Unternehmer und Freiberufler – mit einem ganzheitlichen Blick auf Vermögensaufbau, Steueroptimierung und Altersvorsorge. Sprechen Sie uns gerne an.
Die Rürup-Rente für Selbstständige ist ein leistungsfähiges Instrument zur steuerlich geförderten Altersvorsorge, besonders für Gutverdiener ohne gesetzliche Rentenansprüche. Die vollständige Absetzbarkeit der Beiträge im Jahr 2026 macht sie steuerlich so attraktiv wie nie zuvor. Gleichzeitig erfordert sie eine langfristige Planung und sollte immer als Teil einer ganzheitlichen Vorsorgestrategie betrachtet werden. Die eingeschränkte Flexibilität ist der wichtigste Kritikpunkt. Wer Liquidität und Anlagefreiheit schätzt, sollte ergänzend auf Fondsanlagen setzen. Lassen Sie sich unabhängig beraten, um die beste Kombination für Ihre Situation zu finden.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung. Alle Angaben entsprechen dem Stand 2026.
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